- Mein alternativer Gesundheitsblog - http://s267274200.online.de -
Asthma und Übergewicht
Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 6.12.2008 @ 14:39 In Ernährung | 2 Kommentare
Asthmatische Beschwerden bei Übergewicht müssen nicht unbedingt auf ein Asthma zurückzuführen sein. Möglich ist auch, dass erhöhte Fettanteil auf die Lunge drückt und dadurch das Atmen schwer fällt.
Luft aus Lungen gepresst
Sowohl die auf dem Brustkorb lastenden Fettmassen als auch das von unten auf das Zwerchfell drückende Fett im Bauchraum bedingen bei Adipositas eine mechanische Behinderung der Atmung, indem sie die Luft aus den Lungen pressen. Besonders im Liegen in Rückenlage verbleibt in Atemruhelage deutlich weniger Luft in den Lungen. Dabei werden die Atemwege weniger durch das elastische Lungengewebe aufgedehnt. Es kostet in schweren Fällen mehr als doppelt so viel Arbeit, die Luft durch die verengten Atemwege zu pressen und die Fettmassen bei der Atmung hin und her zu bewegen. Bei extremen Adipösen wird oft auch das Fassungsvermögen der Lungen vermindert (restriktive Ventilationsstörung).Gleichzeitig steigt der Bedarf an Sauerstoff mit dem Körpergewicht in Ruhe und insbesondere bei körperlicher Aktivität. So entsteht Atemnot bei körperlicher Anstrengung wie Treppen steigen oder Laufen, weil einerseits die Atmung behindert ist und andererseits mehr Luft geatmet werden muss.Giemen und Atemnot in Rückenlage und verminderter Sauerstoffgehalt des Blutes können bei ausgeprägter Adipositas auch beim Liegen in Rückenlage auftreten. Sie erhöhen das Risiko für eine obstruktive Schlafapnoe. Weil die Bronchialmuskeln durch die flachere Atmung und den niedrigen Luftgehalt der Lungen unzureichend gedehnt und damit entkrampft werden, steigt nachts zudem die bronchiale Empfindlichkeit. Das Rückfließen von saurem Magensaft in die Speiseröhre (gastroösophagealer Reflux) wird bei Adipösen (insbesondere Frauen) häufiger beobachtet. Die Reizung der Speiseröhre oder gar des Kehlkopfes durch die Säure verursachen oft Atembeschwerden. Ursächlich sind erhöhte Druckunterschiede zwischen Bauchraum und Brustraum, fettreiche Ernährung, kohlensäurehaltige Limonadengetränke, Essattacken sowie Spät- und Nachtessen.
Kaum Spielraum für Atemmuskeln
Das Asthma bronchiale und die Adipositas verengen die Bronchien von innen (Verkrampfung der Bronchialmuskeln, Schwellung der Schleimhaut) beziehungsweise außen (verminderte Dehnung bei geringerem Lungenvolumen) in einem Zangenangriff. Im Asthmaanfall erschweren die Fettmassen das übliche Ausweichen zu höheren Lungenvolumina. Gleichzeitig ist der Ventilationsbedarf und die Atemarbeit stärker erhöht. So verfügt die Atemmuskulatur über geringere Reserven und es kommt häufiger zu Notfällen.
Für ein Asthma bronchiale sprechen:
Oft sind über eine detaillierte Erhebung der Krankengeschichte, Peak-Flow-Protokolle und Allergietests hinaus weitere diagnostische Tests nötig (Messung von Lungenfunktion, bronchialer Überempfindlichkeit und exhaliertem Stickoxid), so dass ein einschlägig erfahrener Allergologe oder Pneumologe eingeschaltet werden muss.Auch ein gastroösophagealer Reflux, Schlafapnoesyndrom und Medikamentennebenwirkungen sollten dabei ausgeschlossen werden.
Die Behandlung der Adipositas ist immer eine wirksame Behandlung der Atembeschwerden bei Übergewicht. Nach chirurgischer und diätetischer Gewichtsabnahme normalisieren sich die Lungenfunktion, der Ruheenergieverbrauch, die Ruheatmung und die Atemarbeit. Bei Adipösen, bei denen ein Asthma diagnostiziert wurde, verbessert sich nach Gewichtsabnahme die mechanische Komponente mit Atemnot und Lungenfunktion, nicht aber die asthmatische Komponente mit Husten und die bronchiale Überempfindlichkeit. Eine drastische, chirurgisch induzierte Gewichtsreduktion reduziert die Beschwerden dennoch so deutlich, dass die Asthmamedikation bei 50 bis 100 Prozent abgesetzt werden konnte. Auch ein gastroösophagealer Reflux verbessert sich bei Gewichtsreduktion. Die Steigerung der körperliche Aktivität sollte besonders betont werden, weil dies die ungünstige Relation zwischen Stammfett und Muskelmasse als Ursache der mechanischen Atemprobleme verbessert. Spät- und Nachtessen sollten unbedingt vermieden werden, da ein überfüllter Magen die nächtliche Bedrängung der Lungen verstärkt und einen gastroösophagealen Reflux begünstigt. Zigarettenrauch (aktiv oder passiv) sollte strikt vermieden werden. Viele Adipöse rauchen leider, auch weil sie denken es helfe bei der Gewichtsabnahme.Die benötigte einschneidende und lebenslange Umstellung des Lebensstils lässt sich meist nur im Rahmen ambulanter oder stationärer Programme erzielen. Diese verknüpfen ein Training in Gruppen mit einer Einzel-/Familienberatung und werden von einem Team aus Arzt, Psychologe/Pädagoge, Ernährungsfachkraft und Bewegungsfachkraft durchgeführt (siehe im Internet unter [1] www.a-g-a.de ).
Die Dauertherapie des Asthma bronchiale muss über objektive Messgrößen (Peak-Flow-Variabilität, ausgewählte Lungenfunktionsmessgrößen, Provokationsteste und exhaliertes Stickoxid) gesteuert werden. Atembeschwerden sind bei Adipösen kein sicherer Anhalt für eine unzureichende antientzündliche Dauertherapie. Bei üblicher Dosierung führen inhalative Corticoide nicht zu Übergewicht.
Bei starkem Übergewicht (Adipositas) behindert das Stammfett mechanisch die Atmung, was zu asthmaähnlichen Beschwerden führt. Weil die Unterscheidung zwischen mechanischer Einschränkung und Asthma schwierig ist, wird das Asthma bronchiale bei Adipositas überdiagnostiziert. Eine Adipositas verschlechtert ein Asthma bronchiale und weil die mechanische Funktionsstörung nicht auf Asthmamedikamente anspricht, wird oft übertherapiert. Die Behandlung besteht in einer Reduktion des Körperfettanteils durch Umstellung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens. Asthmatiker sollten durch uneingeschränkte Teilnahme am Sport ihre Gesundheit erhalten. Andreas van Egmond-Fröhlich
Fundstelle: ALLERGIE konkret 4/2005
2 Kommentare To "Asthma und Übergewicht"
#1 Comment By Richard Friedel On 28.8.2010 @ 28.8.2010
Es herrscht eine aüßerst rätselhafte Ignoranz über Atmung in der Fachwelt
Bei japanischen Quellen über Atemtechniken steht der Druck im Bauch ganz im Mittelpunkt der Überlegungen, siehe z. B [2] http://www.lrz-muenchen.de/~s3e0101/webserver/webdata/T3.pdf Seite 98-101 aus “Deep Breathe” von Osamu Tatsumura
Warum dieser Faktor im Westen nicht mit dem Verstand wahrgenommen wird ist ein ungeheueres Rätsel, denn im Umkehrschluss beim Lockerlassen der Muskeln um den Bauch wird die Atmung unerträglich schwach und fast asthmatisch.
Wenn ich also als gewesener Asthmatiker schnell mit “Bauchmuskelatmung” spazieren gehe, ist das ein etwas ungewöhnliches Gefühl, aber das Asthma bleibt aus.
Eigentlich eine fast triviale Erkenntnis. Ich habe aber oft diese Atmung auf dem Crosstrainer im Fitness-Studio eingeübt. Richard Friedel
Dieser Artikel wurde ausgedruckt ab Mein alternativer Gesundheitsblog: http://s267274200.online.de
URL zum Artikel: http://s267274200.online.de/archives/12
URLs in this post:
[1] www.a-g-a.de: http://www.a-g-a.de/
[2] http://www.lrz-muenchen.de/~s3e0101/webserver/webdata/T3.pdf: http://www.lrz-muenchen.de/~s3e0101/webserver/webdata/T3.pdf
Klicken hier zum Drucken.