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Basensubstitution bei chronischen Schmerzen
Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 14.1.2009 @ 20:44 In Gesundheit allgemein, Ernährung | 1 Kommentar
Nach einer Studie von Jörgensen et al. gehen sämtliche Schmerzzustände mit erhöhten Laktatspiegeln einher. Diese chronische Übersäuerung führt zu einer vermehrten Produktion von Kininen und einer Senkung der Kininaseaktivität. Die Kinine bilden die Grundsubstanzen für die Bildung von Schmerzmediatoren.
Acidose und Migräne
Nach einer Studie von Lanser soll eine Basentherapie auch bei Migräne prophylaktische Wirkungen haben. Da Paracetamol im Migräneanfall unzureichend resorbiert wird, wird nicht selten auf Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Naproxen zurückgegriffen. Diese Substanzen gehören zu den „sauren“ Analgetika und tragen zu einer metabolischen Übersäuerung bei. Dies wiederum setzt die Schmerzschwelle herab und kann die Häufigkeit von Kopfschmerz- und Migräneattacken hierdurch steigern.
Einfluss von Säure auf die Muskulatur
Vielfältige Einflüsse auf die Muskulatur, wie einseitige Überforderung, Bewegungsmangel, mechanische Irritationen, Einwirkungen von Kälte und Nässe sowie psycho-sozialer Stress führen zu einer Überaktivität der Muskulatur. Die Muskelverspannungen lösen kapillare Durchblutungsstörungen aus, dessen Folge eine Minderversorgung mit Sauerstoff ist. Durch dieses Sauerstoffdefizit der einzelnen Zellen der Muskulatur und des Bindegewebes kommt es zu einem Energiedefizit auf zellulärer Ebene mit vermehrter Bildung von Milchsäure. Die Muskulatur verbraucht aber nicht nur Sauerstoff, wenn sie sich in der Arbeitsphase befindet. Auch der ruhende Muskel benötigt Energie und somit Sauerstoff. Der Sauerstoffmangel löst eine Art Energiekrise aus. Bleiben Muskelfasern als Resultat des Sauerstoff- bzw. Energiedefizits auf zellulärer Ebene kontrahiert, so spricht man von so genannten Kontraktionsrück-ständen, die innerhalb feinster Muskelfasern auftreten. Diese können zu erheblichen Schmerzen führen. Die Dysfunktion auf zellulärer Ebene führt somit nicht „nur“ zur Gewebsacidose, sondern auch zu KontraktionsrückständenWährend Muskeln bewusst an- und entspannt werden, können Kontraktionsrück-stände nicht willentlich gelöst werden. Solche kontrahierten Muskelfasern(teile) werden auch als Triggerpunkte bezeichnet. Der in Dysbalance geratene Energiestoffwechsel der chronisch übersäuerten Muskulatur muss also normalisiert werden. Therapeutisch gelingt dies durch die Korrektur der Gewebeacidose. Dass gewisse Nahrung für Rheumakranke schädlich ist, ist allgemein bekannt. „Schweinefleisch macht das Blut sauer“ ist eine überlieferte Volksweisheit. Mit Hilfe von Basentherapeutika lässt sich die Dysbalance zwischen Säure und Base normali-sieren und somit eine adäquate Versorgung mit Sauerstoff unterstützen. Mehr Sau-erstoff heißt weniger Schmerz. Je früher man in das Schmerzgeschehen eingreift, desto wirksamer ist dieser Ansatz. Aber auch wenn bereits eine Chronifizierung mit der Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses eingetreten ist, ist eine Basentherapie angezeigt.
Auch das Bindegewebe leidet unter einer Übersäuerung. Die Zellen geben ihren Säureüberschuss an das Blut ab, das Bindegewebe dient als Transportweg. Vermutlich nehmen bei einer Acidose die im Binde- und Knorpelgewebe vorhandenen Zucker-Protein-Komplexe Säuren auf und binden sie. Diese Komplexe verlieren hierdurch ihre Fähigkeit, sich zu vernetzen und Wasser zu binden. Die Folge ist ein Verlust an Elastizität. Das Bindegewebe kann als Sammelbecken überschüssiger Säure betrachtet werden.
Acidose und Rheuma
Der pH-Wert in normalen Gelenken beträgt 7,64 bis 7,31, bei Osteoarthrosen liegt der pH-Wert bei 7,54 bis 7,25, bei rheumatoiden Gelenkerkrankungen bei 7,41 bis 6,85 (Thomas, 1998).
Acidose und Osteoporose
Ein gravierendes Symptom einer anhaltenden metabolischen Acidose ist die Osteo-porose: Hierbei werden basische Calciumsalze des Knochens zur Pufferung mobili-siert. Durch langzeitige Gabe von NaHCO3 kann die Entkalkung der Knochen gestoppt werden (Devlin, 1997):Der Knochenstoffwechsel ist in den Säure-Basen-Haushalt integriert. Bei einer latenten Acidose reichen die Basen im Körper nicht aus, das Säuren-Basen-Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Das Puffersystem versucht, eine Balance herbeizuführen. Die vermehrte Pufferarbeit trägt zum Abbau von Knochensubstanz bei. Das aus den Knochen für die Pufferung ausgelöste Calcium steht nicht mehr für die Bildung von Hydroxylapatit zur Verfügung. Die Folge ist eine Abnahme der Knochendichte. Es stellt sich die Frage, ob die Ursache für das Therapieversagen von Calcium und Vitamin D bei einer nicht korrigierten latenten Acidose zu suchen ist.
Autor:
Matthias Bastigkeit
Fachdozent für Pharmakologie
Dorfstraße 83
23815 Geschendorf
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