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Die Zuckermafia - Lust auf Süßes?
Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 7.12.2008 @ 10:57 In Ernährung | 1 Kommentar
Kinder essen gerne Süßes - ganz egal, aus welchem Kulturkreis sie stammen. Der Grund für den Genuss: Zucker fördert im Gehirn die Bildung des Glückshormons Serotonin. Wer nascht fühlt sich wohl. Deshalb gewöhnen sich Kinder auch so leicht an süße Kost und damit auch an den Energielieferanten und Geschmacksverstärker Zucker. Das machen sich die Lebensmittelhersteller augenscheinlich zu nutze: Ob in Müsli, Ketchup, Backwaren, Fertigsuppen oder Babynahrung - Zucker ist immer mit dabei. Was aber bewirkt der Zucker im Körper? Die Zuckermoleküle in der Nahrung gelangen sehr schnell über die Darmwand ins Blut. Der Zucker erhöht somit kurzfristig den Blutzuckerspiegel und regt die Insulinausschüttung an. Die Aufgabe dieses Hormons ist es, die Überzuckerung des Körpers zu verhindern. Es dockt an der Zellwand an und beginnt sofort damit, die Zuckermoleküle aus dem Blut in die Zelle hineinzuschleusen. Dort wird der Zucker zur Energiegewinnung genutzt. Ist aber mehr Zucker vorhanden als benötigt wird, beginnt die Zelle damit, den Zucker in Fett umzuwandeln. Und das kann der Körper besser speichern.
“… Zucker eigentlich der Hauptfeind …”
Durch den Zuckerverzehr geschieht aber noch etwas anderes. Der hohe Insulinspiegel im Blut treibt den Zuckerspiegel im Blut unter Normalwert. Die Folge: Hunger. Wenn man also süße Nahrungsmittel zu sich nimmt, gerät man in eine Spirale aus Appetit, Essen und wieder Hunger. „Deswegen ist Zucker eigentlich der Hauptfeind von Kindesbeinen bis ins hohe Alter“, so Prof. Jürgen Scholze von der Charité Berlin. Der Facharzt weiß, wovon er spricht. Er ist Experte für Erkrankungen des Herzkreislaufsystems. Bei ihm und seinen Kollegen landen Menschen mit den Folgekrankheiten des Übergewichts. Besonders die Einlagerung von Fett im Bauchraum sei krankheitsfördernd, so der Mediziner. So sind 70 bis 80 Prozent aller Diabeteserkrankungen mit Übergewicht verbunden. Dazu kommen die Hälfte aller Herz und Kreislauferkrankungen, Nierenstein, Fettstoffwechselstörungen, Gicht, Rückenbeschwerden, Gelenkschäden, Gallenblasenerkrankungen, Schlaganfall, verschiedene Krebserkrankungen und sogar Altersdemenz. Und diese Krankheiten werden häufiger, denn der Anteil der Übergewichtigen steigt in Deutschland, ebenso wie in anderen Ländern, stetig an. Schon jetzt sind etwa ein Fünftel der Bevölkerung schwer übergewichtig.
Kalorienbomben statt „wertvoll“
Eine der Ursachen ist bei der Ernährung zu finden - und damit auch bei den Lebensmittelherstellern. Im Jahr 2000 machten sie allein in Deutschland über 115 Milliarden Euro Umsatz. Ein hart umkämpfter Markt, auf dem ein winziger Vorteil gleich mehrere Millionen Euro Umsatzplus bedeuten können. Also wird geworben, was das Zeug hält. Kein Wunder also, dass besonders positive Eigenschaften gerne hervorgehoben werden. So enthält die Kinderschnitte aus dem Kühlregal besonders viel Milch, süßes Weingummi ist fettfrei und gezuckerte Müslis werben mit Vitaminzusätzen. Nur der gezielte Blick auf die Zutatenliste verrät, dass die als besonders wertvoll beworbenen Produkte häufig Kalorienbomben sind. Thomas Isenberg von dem Bundesverband der Verbraucherzentralen findet solche Werbung problematisch, denn sie erschwere dem Verbraucher den bewussten Einkauf: „Die Leute essen natürlich auch gerne süße Produkte. Und hier wird von den Herstellern versucht, Produkten, die zu kalorienreich und häufig auch zu süß sind, ein modernes, fittes Image zu geben, so dass eben der Absatz hier weiter maximiert werden kann“, kritisiert der Verbraucherschützer.
Immer gefragter: Fastfood
Einen ganz anderen Weg der Absatzmaximierung beschreiten die allgegenwärtigen Schnellversorger. Der Umsatz der Fastfood-Branche steigt unaufhörlich - im vergangenen Jahr um fast vier Prozent. Der Gesamtumsatz liegt allein in Deutschland bei rund vier Milliarden Euro. Der neueste Trick der Imbissketten: Verkaufstheken, die zur Straße hin offen sind. Keine Ladentür soll den hungrigen Verbraucher vom Kauf abhalten. Doch die zu süßen Lebensmittel oder das Überangebot an Nahrung sind nicht alleine schuld am Trend zum dicken Bauch. Auch die fehlende Bewegung lässt die Menschen übergewichtig werden. Dabei wäre es so einfach, Bewegung zu fördern. Denn die macht Kindern genauso viel Spaß wie Süßigkeiten futtern.
Autor: Hilmar Liebsch
Fundstelle: [1] http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=2257328/bxuute/index.html
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