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Rauchen - Gefahr aus zweiter Hand
Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 20.1.2009 @ 19:17 In Gesundheit allgemein, Krebs | 1 Kommentar
Zigarettenqualm schadet nicht nur den Rauchern. Die Risiken durch Passivrauchen sind viel größer als bisher angenommen. Ob zu Hause, im Job, in Zügen, Schulen, Restaurants oder Theatern - rund 35 Millionen Deutsche werden mit Giften aus Tabakdunst zugequalmt, ohne dass sie es wollen. Die Folgen des Passivrauchens sind dramatisch, belegt eine neue Studie, an der Prof. Dr. Ulrich Keil, Uni Münster, mitgearbeitet hat: Rund 3.300 Menschen sterben jährlich daran. Und diese Zahl ist noch niedrig gegriffen.” Eine Statistik vom Krebsforschungszentrum Heidelberg kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: 2.148 Nichtraucher sterben durch „Secondhand-Gifte“ an Herzerkrankungen, 774 überleben einen Schlaganfall nicht, 263 Passivraucher sterben an Lungenkrebs, 56 an anderen Lungenleiden, 60 Säuglinge sterben pro Jahr am Krippentod. Und 70 Prozent der Todesfälle entfallen auf Frauen, weil sie zu Hause öfter passiv mitrauchen müssen als Männer.
Kein Kavaliersdelikt
„Wer mit einem Raucher zusammenlebt oder bei der Arbeit Tabakrauch ausgesetzt ist, hat ein um 25 bis 30 Prozent erhöhtes Risiko, an einem Herzleiden zu erkranken, und ein um 20 bis 30 Prozent erhöhtes Risiko für Lungenkrebs. “Passivrauchen verursacht zudem Atemwegsbeschwerden”, warnt Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin des WHO-Zentrums für Tabakkontrolle Heidelberg.
Gefährlicher Nebenstrom
Bei Kindern kommt es zu Mittelohrentzündungen, einer beeinträchtigten Lungenfunktion, Asthma. Und: Das Brustkrebsrisiko vor der Menopause verdoppelt sich.
Auf den ersten Blick erscheint paradox. dass die Konzentration der Schadstoffe im so genannten Nebenstromrauch einer vor sich hin glühenden Zigarette höher ist als im Hauptstromrauch beim tiefen Inhalieren. Auf den zweiten Blick aber ganz logisch. Dr. Tobias Raupach. Leiter der Raucherentwöhnungsambulanz Göttingen: „Beim Zug an der Zigarette entsteht eine höhere Verbrennungstemperatur, die einige Giftstoffe inaktiviert. Im Nebenstrom bleiben diese jedoch aufgrund niedrigerer Temperaturen noch stabil.“ Selbst kleinste Mengen sind noch gefährlich. Ein neuer Report des amerikanischen „Centers for Disease Control“ in Atlanta zeigt: Im Nebenstromrauch konnten bis 50 krebserregende Substanzen und 250 giftige und krebsfördernde Chemikalien identifiziert werden (siehe auch „Nicht nur heiße Luft“).
Das Letzte Raucherparadies
Doch abgesehen von Polen und einigen anderen Staaten im Osten ist Deutschland das letzte Raucherparadies in Europa. In Skandinavien herrschen strikte Rauchverbote am Arbeitsplatz, in öffentlichen Räumen und Verkehrsmitteln. Die Iren dürfen seit März 2001 nicht mal mehr zum geliebten “Guinnes” im Pub paffen, in Italien ist die Zigarette zum Vino oder Grappa seit Januar 2005 unter drakonische Strafen gestellt. Bis zu 2.200 Euro müssen Gastwirte berappen, die Raucher nicht vor die Tür weisen. In Deutschland gibt es zwar schon einige Einschränkungen, aber kaum jemand hält sich daran. Die Leute rauchen selbst unter Rauchverbotsschildern an Flughäfen und Bahnhöfen weiter, stecken sich mit Vorliebe die Zigarette im Zimmer der nichtrauchenden Kollegin an und halten jeden, der sich über den blauen Dunst beschwert, für einen Querulanten oder Oberlehrer.
Gifte im blauen Dunst
Raucherzimmer bringen wenig. Seit Oktober 2002 gilt allerdings eine nichtraucherfreundliche Änderung, der Arbeitsstättenverordnung. Sie verpflichtet die Arbeitgeber, wirksame Schutzmaßnahmen zu ergreifen - egal, ob sich die Beschäftigten durch Raucher gestört sehen oder nicht. Allerdings bringen Arrangements wie Raucherzimmer wenig, ebenso Nichtraucherecken in Gaststätten oder Nichtraucherabteile in Zügen. Denn sobald sich Tabakrauch mit der Raumluft vermischt, verteilen sich die Gifte im ganzen Umfeld. Geruch und Schadstoffe setzen sich an Wänden, Böden, Gardinen und Kleidung fest.
Jetzt planen Politiker quer durch alle Parteien einen umfassenden Nichtraucherschutz: „Rauchen macht krank und Mitrauchen auch. Der Staat muss also handeln, wenn es um das Gemeinwohl der Menschen geht“, weiß auch Verbraucherschutzminister Horst Seehofer, ehemals Bundesgesundheitsminister. Doch wird es tatsächlich eine Mehrheit für Rauchverbote in Gaststätten, Behörden, Krankenhäusern oder Schulen geben? Bis es soweit ist, sollten Sie Ihre Gesundheit schon selbst gegen Tabakrauch schützen.
Nicht nur heiße Luft
Fundstelle: VITAL 9/2006 Seite 94
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