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Die zehn giftigsten Städte der Welt
Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 9.2.2009 @ 21:52 In Gesundheit allgemein | 1 Kommentar
Fundstelle: [1] http://magazine.web.de/de/themen/gesundheit/krankheiten/6152434-Die-zehn-giftigsten-Staedte-der-Welt,page=0.html
Besonders die Kinder in Weißrussland, Russland und der Ukraine wurden Opfer der radioaktiven Strahlung von Tschernobyl.Auto-, Flugzeug und Industrie-Emissionen, hohe CO²-Konzentrationen in der Luft und Elektrosmog - das Leben in Industriestädten und den Metropolen der Welt ist gesundheitsschädlich.Doch ungesünder als in den folgenden zehn Städten ist das Leben nach Angaben der in New York sitzenden Umweltorganisation Blacksmith Institute nirgendwo auf der Welt. Die Top zehn der giftigsten Städte der Erde sind mit mehr Smog belastet - dick wie Rauch und beißend wie Säure -, mit mehr Giften, Schwermetallen und Radioaktivität als andere Städte der Erde. Und sie bestehen auch aus mehr Elend, Krankheit und Leid.
Unsere Auswahl aus der Liste des Blacksmith-Institutes richtet sich nach der Anzahl der Menschen, die von den Auswirkungen der Giftstoffe im Wasser, im Boden und in der Luft betroffen sind.
Platz 10 - La Oroya, Peru
La Oroya ist das Bergbau-Zentrum Perus. Im Gestein um die Stadt finden sich Metalle wie Blei, Kupfer, Zink und Silber in hoher Konzentration. Die Minenkonzerne Centromin Perú und Doe Run Perú räumen jährlich etwa 600.000 Tonnen des Gesteins aus den Bergen. Aus diesen Gesteinsmengen werden mit Schwefelsäure rund 55.000 Tonnen Metalle gewaschen.
Betroffene Menschen: 35.000
Schadstoffe: Blei, Kupfer, Zink, Arsen, Schwefeldioxid (SO2), Flugasche, Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOx), Feinstaub ((PM2,5, (PM10)), Flüchtige organische Verbindungen (VOCs)
Ursache der Verschmutzung: Schwermetall-Bergbau und Schwermetall-Verarbeitung
Bereits seit 1922 wird in La Oroya Kupfer abgebaut. Seit dieser Zeit sind Kinder und Erwachsene gleichermaßen den giftigen Emissionen ausgesetzt, die beim Schwermetall-Bergbau anfallen. Die Bleiproduktion beginnt im Jahre 1928, die Zinkgewinnung 1952. 99% der Kinder weisen einen Bleigehalt im Blut auf, der einen akzeptablen Grenzwert bei weitem übersteigt. Seit 1950 wurden auch Gold und Silber gefunden, außerdem gibt es eine große Menge wertvoller Nebenprodukte. Die Abwässer der Hütten sind mit Schwermetallen belastet, die Abgase schwefelhaltig und mit Blei, Arsen und Cadmium angereichert. Niederschläge bilden hier in erheblichem Umfang sauren Regen, der die potentiellen Anbauflächen rund um die Stadt genauso wie den Fluss Mantaro belastet, wo auch die Trinkwasserquellen der Hauptstadt entspringen. Laut einer Studie der Universität San Luis (Missouri, USA) im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation hatten 7 von 10 untersuchten Kindern 20 bis 40µg Blei pro Deziliter im Blut. Babys kommen laut Angaben lokaler Neurologen bereits mit inakzeptabel hohen Bleiwerten im Blut zur Welt. Asthma, Bronchialerkrankungen, Nieren- und Nervenleiden sind unter den Einwohnern weit verbreitet. La Oroya wurde wiederholt - im Oktober 2006 und September 2007 - von der US-Umweltschutzorganisation Blacksmith zu einem der zehn am stärksten verschmutzten Orte der Erde erklärt.
Platz 9 - Vapi, Indien
Die Stadt Vapi liegt am südlichen Ende von Indiens “Goldenem Korridor” - einem 400 km langen Gürtel aus sich aneinanderreihenden Industriegebieten im indischen Staat Gujarat. Über 50 Industrie-und Gewerbegebiete liegen in dieser Region. Sie enthalten über 1.000 verschiedene Industrieanlagen. Viele dieser Anlagen sind chemische Industrieanlagen: Produziert werden dort Petrochemikalien, Schädlingsbekämpfungsmittel, Medikamente, Textilien, Farbstoffe, Düngemittel, Lederwaren, Lacke und Farben und Chlor-Alkali-Produkte.
Betroffene Menschen: 71.000
Schadstoffe: Chemikalien, Schwermetalle, Zyanide, Pestizide
Ursache der Verschmutzung: Industrieanlagen und -abfälle
Die freigesetzten Abfallstoffe enthalten Schwermetalle, Zyanide, Pestizide, komplexe aromatische Verbindungen (beispielsweise polychlorierte Biphenyle oder PCB) und weitere Schadstoffe. 1994 wurde die Region um Vapi und Ankleshwar vom indischen “Central Pollution Control Board” (CPCB) als “critically polluted” - in kritischem Ausmaß verseucht - eingestuft. In einem Gutachten wurde außerdem bestätigt, dass es innerhalb dieser Industrieanlagen kein System zur Beseitigung des Industriemülls gibt. Eine Analyse des Grundwassers von Vapi durch ein indisches Umwelt-Magazin ergab, dass es außerordentlich hohe Konzentrationen an Quecksilber, Blei und Zink enthält: Der Quecksilber-Gehalt in Vapis Grundwasser ist 96 Mal höher als der von der WHO empfohlene Grenzwert. Die Abwässer fließen ungeklärt in die Flüsse Damanganga und Kolak. Flußabwärts des Kolak ist kein biologisches Leben mehr möglich. Durch die unsachgemäße Handhabung der Chemikalien in den verschiedenen Industriezweigen gelangen Giftstoffe zudem ungefiltert in die Luft. Im Vergleich zu nicht-verseuchten Produkten aus kontrolliertem Anbau enthalten die Produkte aus Vapi die 60fache Menge an Schwermetallen (Kupfer, Chrom, Kadmium, Zink, Nickel, Blei, Eisen). Abwässer und Ablagerungen sind durch die genannten Schwermetallen ebenfalls verseucht. Trotz des hohen Verseuchungsgrades haben viele Einwohner keine andere Wahl, als das giftige Wasser zu trinken. Die nächsten, sauberen Wasserquellen sind über eine Meile entfernt. Nach Angaben der “Indian Medical Association” sind die meisten Trinkwasser-Quellen und Wasserhaushalte verpestet, weil Wiederaufbereitungsanlagen für Industriemüll fehlen. Der Schadstoffausstoß in Vapi hat bei der Bevölkerung Atemwegserkrankungen zur Folge, ebenso wie chemisch verursachte Dermatitis, Karzinome sowie Haut-, Lungen- und Kehlkopfkrebs. Unfruchtbarkeit, abnorm gestaltete Babys, eine hohe Anzahl geistig behinderter Kinder und eine außerordentlich hohe Rate an spontanen Abtreibungen sind in Vapi Alltag.
Platz 8 - Norilsk, Russland
Der Schnee in Norilsk ist schwarz und die Luft schmeckt nach Schwefel. Die Lebenserwartung der Fabrikarbeiter liegt 10 Jahre unter dem russischen Durchschnitt. Noch in 60 km Entfernung werden laut einer Umweltstudie aus dem Jahr 1999 erhöhte Kupfer- und Nickel-Konzentrationen im Erdreich gefunden. Die Stadt und das Umland von Norilsk gelten als eine der am stärksten verschmutzten Regionen Russlands.
Betroffene Menschen: 134.000
Schadstoffe: Luftverschmutzung - Russ- und Staub-Partikel, Schwefeldioxid, Schwermetalle (Nickel, Kupfer, Kobalt, Blei, Selenium), Phenole, Schwefelwasserstoff
Ursache der Verschmutzung: Nickel-Bergbau und -Verarbeitung und Abbau und Verarbeitung von Bunt- und Platinmetallen
Die sibirische Industriestadt Norilsk ist die am nördlichsten gelegene Stadt Russlands: Sie liegt hinter dem Polarkreis. Der Abbau und die Verhüttung von Nickel und Kupfer begann in den 30er Jahren. In Norilsk befindet sich heute die größte Verhüttungsanlage der Welt für Schwermetalle: Rund 500 Tonnen Kupfer- und Nickel-Oxid und zwei Millionen Tonnen Schwefeldioxid bläst die Anlage jedes Jahr an Abgasen in die Luft. Verantwortlich für die Verpestung der Gegend ist laut Blacksmith Institute die Firma “Norilsk Nickel”. Sie ist eine von Russlands führenden Firmen in der Herstellung und Verarbeitung von Bunt- und Platinmetallen. Die Firma kontrolliert ein Drittel der Nickelvorräte der Erde und trägt den wesentlichen Teil zur russischen Gesamtproduktion von Nickel, Kobalt, Platin und Palladium bei. In Fragen der Luftverpestung rangiert die Firma “Norilsk Nickel” unter den russischen Industrieunternehmen nach Angaben des “Blacksmith Institute” auf Platz 1. Die Bevölkerung von Norilsk ist durch die großen Mengen Gift in der Luft schwer angegriffen. Luftproben ergaben Kupfer- und Nickel-Konzentrationen, die weit über die erlaubte, maximale Arbeitsplatzkonzentration hinausgingen. Die Kinder von Norilsk leiden an den unterschiedlichsten Atemwegserkrankungen. Schulkinder, die in der Nähe der Kupferfabrikanlagen leben, erkranken doppelt so häufig an Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten wie Kinder in entlegeneren Vierteln. Ganz ähnlich sind die Beobachtungen bei Kindern, die in der Nähe von Nickelfabriken wohnen: Sie werden 1,5 Mal häufiger krank als ihre Schulkameraden in entfernteren Gebieten. Das Risiko, in Nirilsk an Atemwegserkrankungen zu sterben, liegt deutlich über der durchschnittlichen Sterblichkeitsrate für Atemwegserkrankungen in Russland. Sie sind zu 15,8 Prozent die Todesursache bei Kindern. Frühgeburten und Schwangerschaftsstörungen im späten Stadium der Schwangerschaft sind häufig in Norilsk. Der ständige Ausstoß schwefeldioxidhaltiger Abgase in die Luft verursacht zudem chronische Erkrankungen der Lungen, der Atemwege, des Verdauungsapparats - und kann zu Lungenkrebs führen.
Platz 7: Tiangying, China
Tianying in der chinesischen Provinz Anhui zählt zu den größten Produktionsanlagen für Blei in China. Die Hälfte der Blei-Gesamtproduktion des Landes stammt aus Tianying. Die Verwendung rückständiger Technologien, illegale Vorgehensweisen und das Fehlen jeglicher ernsthafter Kontrollen in den Anlagen haben die Region in unvorstellbar hohem Maß mit Blei vergiftet. In der Gegend soll es nach Angaben des “Blacksmith Institutes” zudem zahlreiche kleine Wiederaufbereitungsanlagen geben, die für ihre hohe Umweltverschmutzung berüchtigt sind.
Betroffene Menschen: 140.000
Schadstoffe: Blei und andere Schwermetalle
Ursache der Verschmutzung: Bergbau und Weiterverarbeitung
Aufgrund ihrer unverantwortlichen Handlungsweise wurden die Blei verarbeitenden Firmen Tianyings schon öfter von den Ortsbewohnern und lokalen Ämtern dazu gedrängt, ihre Arbeit einzustellen. Die durchschnittliche Bleikonzentration in der Luft und im Boden lag um das 8,5- bis Zehnfache über den Sicherheitsgrenzwerten des Landes. 85 Prozent der entnommenen Luftproben enthielten eine Bleikonzentration, die deutlich über dem nationalen Grenzwert lag. Die Ernten der ortsansässigen Bauern sind durch Blei und giftigen Staub verseucht - die Werte überschreiten die erlaubten Grenzwerte teilweise um das 24fache. Auch hier trifft es unter den Einwohnern in erster Linie die Schwachen: Die Kinder. Sie leiden an Bleivergiftung und deren Folgen: Schädigungen des Gehirns und einem niedrigen Intelligenzquotienten. Die Kinder können sich nur kurz konzentrieren, leiden unter Lernbehinderungen und Hyperaktivität. Ihr gesundes Körperwachstum ist beeinträchtigt. Hör- und Sehstörungen, Magenschmerzen, Darmprobleme, Fehlfunktionen der Nieren, Blutarmut und Gehirnschäden sind in Tianying an der Tagesordnung. Viele Schwangere haben Frühgeburten und bringen zu kleine und unterentwickelte Säuglinge zur Welt.
Platz 6: Kabwe, Sambia
Die sambesische Stadt Kabwe ist 150 Kilometer von der Hauptstadt Lusaka entfernt und eine von sechs Städten, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Copperbelt liegen, des sogenannten “Kupfergürtels”, dem ehemals florierenden Industriestandort Sambias und größten Kupferabbau- und -verhüttungsgebiet Afrikas. Im Copperbelt werden seit den 30er-Jahren Blei, Zink und Kupfer abgebaut.
Betroffene Menschen: 255.000
Schadstoffe: Blei, Kadmium
Ursache der Verschmutzung: Blei-Abbau und -Aufbereitung
1902 wurden in Kabwe reiche Vorkommen an Zink und Blei entdeckt. Der Bergbau und die Aufbereitung der Metalle folgte kurz darauf und lief ohne nennenswerte Unterbrechungen bis 1994. Ohne, dass die möglichen Gefahren einer Bleiverseuchung zur Sprache kamen. Der Bergbau und die Verhüttung wurden eingestellt und die Stadt verseucht zurückgelassen: Die hohen Konzentrationen an Bleistaub im Boden und von Schwermetallen im Wasser sind hochgradig giftig und schädigen die Bevölkerung. Die Verseuchung der Böden mit Blei, Kadmium, Kupfer und Zink erstreckt sich nach Angaben des Blacksmith Institutes über einen Radius von 20 Kilometern. Die Werte übersteigen bei weitem die empfohlenen Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO. In einigen Vierteln von Kabwe liegt die Blutkonzentration der Schwermetalle bei Kindern bei 200 µg/dl und darüber. Nach Angaben des Blacksmith Institutes belegen Aufzeichnungen bei Kindern durchschnittliche Blutwerte zwischen 50 und 100 µg/dl Blei. Im Durchschnitt liegen die Bleiwerte im Blut der Kinder von Kabwe um das Fünf- bis Zehnfache über dem höchstzulässigen Grenzwert der US-Umweltbehörde EPA - in vielen Fällen erreichen sie die Werte, die als potenziell tödlich gelten. Besonders anfällig für Bleivergiftungen sind Kinder, die im Freien und auf dem Boden spielen sowie die jungen Männer, die die Abraumhalden nach Metallresten aus dem Blei-Bergbau und der -Verhüttung durchforsten. Ein schmaler Schifffahrtsweg führt von der Mine ins Stadtzentrum. Die Fahrrinne wurde benutzt, um die Schlacke von der Schmelzerei abzutransportieren, als sie noch in Betrieb war. Schutzvorrichtungen zur und Einschränkungen der Benutzung des Wasserweges existieren nicht: Die Kinder baden in der giftigen Brühe. Zusätzlich zum verseuchten Wasser sind die trockenen und staubigen, bleiverseuchten Böden in der Nähe der Häuser und Hütten der Arbeiter der Hauptgrund für die Verseuchung der Einheimischen. Die Arbeiter und Ortsansässigen in und um Kabwe atmen die giftigen Bleischadstoffe einfach mit dem Staub ein.
Platz 5: Sumgayit, Aserbaidschan
Sumgayit war ein sowjetisches Industriezentrum, das über 40 Fabriken umfasste. Sie produzierten Chemikalien für die Industrie und die Landwirtschaft. Darunter waren Kunstfasern, Chlor, Aluminium, Reinigungsmittel und Schädlingsbekämpfungsmittel. Während des Fabrikbetriebes wurden jedes Jahr zwischen 70.000 und 120.000 Tonnen gesundheitsschädigender Emissionen ausgestoßen.
Betroffene Menschen: 275.000
Schadstoffe: Öl und Schwermetalle, im Besonderen Quecksilber
Ursache der Verschmutzung: Petrochemische Industrie und Industrieanlagen
Die Industrie hatte den Schwerpunkt auf die Maximalproduktion zu Dumping-Preisen gesetzt - auf Kosten der Umwelt, der Arbeitssicherheit und -gesundheit. Nach der Einstellung des Fabrikbetriebes wurde die Stadt schwer verseucht zurückgelassen. Die Fabrikarbeiter und Einwohner und die Umwelt von Sumgayit waren über mehrere Jahrzehnte einer überdurchschnittlich großen, permanenten Vergiftung ausgesetzt worden. Ungeklärtes Abwasser und Quecksilber-verseuchter Schlick werden nach wie vor willkürlich in der Stadt abgelagert. Maßnahmen zur Überwachung der Umweltverschmutzung fehlen völlig. Die Produktionsmethoden und Sicherheitsstandards der verbliebenen Anlagen sind hoffnungslos veraltet. Der unsachgemäße Umgang mit und die unsachgemäße Ablagerung von Industriemüll auf großen Halden verseuchen die Stadt zusätzlich. Als Folge dieser ständigen Verseuchung der Stadt hatte Sumgayit während der Sowjetischen Ära mit die größte Zahl an Erkrankungen. Dieses Vermächtnis der krankmachenden Gifte trägt Sumgayit noch immer: Denn bis heute hält dort eine hohe Todesrate an. Krebserkrankungen treten in Sumgayit zwischen 22 und 51 Prozent häufiger auf als im Landesdurchschnitt Aserbaidschans. Die Sterblichkeitsrate wegen Krebserkrankungen übersteigt den Landesdurchschnitt um acht Prozent. Doch angenommen wird, dass die Dunkelziffer weitaus größer ist. Viele Babies sind Früh- oder Totgeburten oder kommen behindert zur Welt: Zu den genetischen Defekten in der Stadt zählen Mongolismus, die fehlerhafte Ausbildung des Gehirns (Anenzephalie), Spina Bifida, der Wasserkopf, Knochenkrankheiten und Mutationen (Klumpfüße, Wolfsrachen und weitere).
Platz 4: Dserschinsk, Russland
Bis zum Ende des Kalten Krieges war Dserschinsk eine der Hauptproduktionsstätten der damaligen Sowjetunion für die Herstellung von Chemiewaffen, darunter Sarin und Senfgas. Die Abfallstoffe von 190 während der Produktion verwendeten Chemikalien haben das Grundwasser in gefährlichen Giftschlamm verwandelt. Das Trinkwasser der Stadt ist verseucht. Dserschinsk wurde bereits im Oktober 2006 von der Umweltorganisation Blacksmith zu einem der am stärksten verschmutzten Orte der Welt gewählt.
Betroffene Menschen: 300.000
Schadstoffe: Sarin, Senfgas und giftige Nebenprodukte der Sarin- und Senfgas-Produktion. Blei, Phenole.
Ursache der Verschmutzung: Herstellung von chemischen Waffen während der Zeit des Kalten Krieges
Auf der Basis von Zahlenmaterial von der “Dserschinsk’s Environmental Agency” wurden zwischen 1930 und 1998 rund 300.000 Tonnen chemischer Abfall unsachgemäß entsorgt. Dadurch gelangten bislang 190 identifizierte Chemikalien und deren Abfallstoffe ins Grundwasser. Im Wasser ist kein biologisches Leben mehr möglich. Die weißliche Brühe enthält hohe Konzentrationen an Dioxin und Phenol, einer industriell genutzten Chemikalie, die zu akuten Vergiftungserscheinungen und zum Tod führen kann. Die Konzentration dieser Chemikalien übersteigt laut Zahlenmaterial die Sicherheitsgrenze um das 17.000.000fache - in Worten: das Siebzehn-Millionenfache. Im Guinnessbuch der Rekorde steht Dserschinsk mit einem traurigen Rekord: der am stärksten durch Chemikalien verseuchten Stadt der Erde. Ein Viertel der 300.000 Einwohner von Dserschinsk arbeiten nach wie vor in Fabriken, die giftige Chemikalien herstellen. Laut eines BBC-Berichtes aus dem Jahr 2003 sind es die Jungen, die besonders anfällig für die Verseuchungen Dserschinsks sind: Auf dem örtlichen Friedhof befindet sich eine schockierende Überzahl Gräber von Menschen unter 40 Jahren. Im Jahr 2003 übertraf die Todesrate die Anzahl der Geburten um 260 Prozent. Die jährliche Todesrate (17 von 1.000 Einwohnern) liegt über der durchschnittlichen Todesrate Russlands (14 von 1.000). Das bedeutet für die 300.000 Einwohner zählende Stadt 900 zusätzliche Todesfälle jedes Jahr. Die Männer von Dserschinsk haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 42 Jahren, die Frauen von 47 Jahren.
Platz 3: Sukinda, Indien
Im Tal von Sukinda im indischen Bundesstaat Orissa liegen 97 Prozent der indischen Chromeisenerz-Vorkommen und eine der größten Chromeisenerz-Minen der Erde, in der das chromhaltige Gestein im Tagebau gewonnen wird: Schicht um Schicht wird von der Oberfläche abgetragen. Zwölf Minen werden noch immer ohne jegliche Umweltpläne betrieben. Über 30 Millionen Tonnen Haldengestein sind über die angrenzenden Gebiete und die Ufer des Flusses Brahmani verteilt. Giftige Minen-Abwässer werden unbehandelt in die Flüsse eingeleitet.
Betroffene Menschen: 2,6 Millionen
Schadstoffe: Sechswertiges Chrom und andere Metalle
Ursache der Verschmutzung: Chromit-Abbau und -verarbeitung
Das Gebiet wird zudem regelmäßig überflutet, was die Wasserwege noch weiter verseucht. Ungefähr 70 Prozent des Oberflächenwassers und 60 Prozent des Trinkwassers sind durch sechswertiges Chrom vergiftet. Das ist weit über das Doppelte des landesweit und international zulässigen Grenzwertes. Doch es wurden auch schon Überschreitungen der Grenzwerte um das mehr als 20fache gemessen. Der Brahmani - er ist die einzige Wasserquelle für die Menschen. Das indische “Central Pollution Control Board” hat bestätigt, dass das Wasser an mehreren Standorten hochgradig verseucht ist. Die Luft und die Böden sind ebenfalls schwer belastet. Die Minenarbeiter, die Chromeisenerz im Tagebau abbauen, sind ständig vergiftetem Wasser und vergiftetem Staub ausgesetzt. Magen-Darm-Blutungen, Tuberkulose und Asthma sind alltäglich auftretende Krankheiten. Eine weitere Folge sind Unfruchtbarkeit, Geburtsschäden und Totgeburten. Die von der norwegischen Regierung gegründete “Orissa Voluntary Health Association” (OVHA) berichtet von akuten Gesundheitsproblemen in der Region um Sukinda. Nach OVHA-Berichten wurden 84,75 Prozent der Todesfälle im Minengebiet und 86,42 Prozent der Todesfälle in den nahegelegenen Wohnvierteln des Industriegebietes durch Krankheiten verursacht, die Folgen der Arbeit in den Chromeisenerz-Minen sind.Am schlimmsten betroffen sind laut Gutachten die Dörfer, die weniger als einen Kilometer von den Tagebau-Stätten entfernt liegen: 24,47 Prozent der Einwohner leiden an den durch die Verpestung der Umwelt hervorgerufenen Krankheiten. Sukinda ist ein Paradebeispiel für die großflächige Verseuchung eines Gebietes durch Abfälle und die gleichzeitige, schädliche Einwirkung des Chroms auf die Bewohner auf mehreren Wegen gleichzeitig.
Platz 2: Linfen, China
In Linfen qualmt Schornstein neben Schornstein. Die Einwohner sehen die Hand vor Augen kaum. Über Linfen sagt man, dass seine Einwohner in den Abendstunden buchstäblich an Kohlenstaub ersticken. Ohne Atemmasken geht niemand mehr ins Freie. Die Provinz Shanxi liegt im Herzen der großen und schnell wachsenden Kohleindustrie. Sie liefert China zwei Drittel seiner Energie. Innerhalb dieser hoch verschmutzten Region wurde die Millionenstadt Linfen zu einer der weltweit verschmutztesten Städte erklärt, in der noch Einwohner leben.
Betroffene Menschen: 4,13 Millionen
Schadstoffe: Flugasche, Kohlenmonoxid, Stickoxide, Arsen, Blei, PM-2.5, PM-10, Schwefeldioxid, flüchtige organische Verbindungen
Ursache der Verschmutzung: Auto- und Industrieabgase
Nach Angaben der Weltbank liegen - geht man nur von der Luftqualität aus - 16 der 20 am schlimmsten verpesteten Städten weltweit in der Volksrepublik China. Die chinesische “State Environmental Protection Agency” (SEPA) bezeichnet Linfen als die Stadt mit der schlechtesten Luftqualität Chinas. Im Jahr 2006 wurde Linfen zur verschmutztesten Stadt der Welt erklärt. Die Schwefeldioxid-Werte und andere Partikel-Werte liegen um ein Vielfaches über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die rasante Entwicklung dieses Industriezweigs und das blinde Vertrauen in die Branche hat zur Entstehung hunderter unkontrollierter Kohle-Minen, Stahlwerke und Raffinerien geführt. Diese haben die Umwelt nach Angaben des Blacksmith Institutes nicht nur in unverantwortlichem Ausmaß verpestet, sondern auch die Wasserquellen für die Landwirtschaft in Kloaken verwandelt. Wasser ist in Linfen so knapp rationiert, dass selbst die Provinzhauptstadt nur für einige wenige Stunden täglich über Wasser verfügt. Der hohe Grad der Verschmutzung fordert seinen Preis - und die Einwohner Linfens zahlen ihn mit ihrer Gesundheit. In den örtlichen Krankenhäusern nehmen die Fälle an Bronchitis, Lungenentzündung und Lungenkrebs zu. Die in der Shanxi-Provinz lebenden Kinder leiden in großer Zahl an Bleivergiftung. Überdurchschnittlich viele Todesfälle der vergangenen Jahre in Linfen sind auf den überwältigend hohen Grad der Luftverschmutzung zurückzuführen. Arsenikose, eine Krankheit, die durch das Trinken von Arsen-verseuchtem Wasser in hohen Konzentrationen verursacht wird, hat in der Region das Ausmaß einer Epidemie erreicht. Weil die Bewohner Linfens diesen giftigen Chemikalien ununterbrochen ausgesetzt sind, haben sie zu Wundbildung, peripher arteriosklerotischen Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, Erkrankungen der Blutgefäße (z.B. der “blackfoot disease”) und einer hohen Häufigkeit von Krebserkrankungen geführt. Nach Angaben des Blacksmith Institutes hat eine Studie über das Brunnenwasser in der Provinz Shanxi ergeben, dass über die Hälfte der Brunnenwasser-Ressourcen als unsicher eingestuft wurden - und das Wasser damit nicht getrunken werden kann.
Platz 1: Tschernobyl, Ukraine
Die schlimmste Nuklearkatastrophe der Erde ereignete sich am
Betroffene Menschen: Anfangs ungefähr 5,5 Millionen; das genaue Ausmaß der betroffenen Menschen und der Schäden lässt sich bis heute nicht abschließend beziffern
Schadstoffe: Radioaktiver Staub, der Uran, Plutonium, Cäsium 137, Strontium und andere Metalle enthält
Ursache der Verschmutzung: Kernschmelze und Explosion des Reaktorkerns im April 1986
Insgesamt wurden etwa 218.000 Quadratkilometer mit mehr als 37.000 Becquerel (37 kBq) Cs-137 pro m² radioaktiv belastet. Mehr als 70 Prozent dieser Gebiete liegen in Russland, der Ukraine und Weißrussland. Auch 22 Jahre nach dem Unglück ist die 30-Kilometer-Sperrzone um das Kernkraftwerk noch immer nicht bewohnbar. Obwohl während der Katastrophe enorme Mengen an Radioaktivität freigesetzt wurden, blieb der größte Teil der Radioaktivität im Kraftwerksblock gefangen. Über 100 Tonnen Uran - und andere radioaktive Produkte wie Plutonium -, würden im Falle einer erneuten Katastrophe freigesetzt. Tschernobyl soll zudem über 2.000 Tonnen leicht entflammbaren Materials enthalten. Lecke Stellen im Bauwerk veranlassen Experten laut Blacksmith zu der Befürchtung, daß Regenwasser und der Staub von Brennmaterial eine hochgiftige Flüssigkeit gebildet haben, die das Grundwasser vergiften könnte. Zwischen 1992 und 2002 wurde in über 4.000 Fällen Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Erwachsenen in Weißrussland, Russland und der Ukraine diagnostiziert. Am stärksten in Mitleidenschaft gezogen waren Kinder unter 14 Jahren. Die meisten dieser Fälle werden einer erhöhten Schadstoffkonzentration von radioaktivem Jod in der Trinkmilch zugeschrieben. Derzeit bewohnen über 5 Millionen Menschen die am stärksten verseuchten Gebiete in Weißrussland, Russland und der Ukraine: Sie alle wurden zu durch Radio-Nukleid “kontaminierten Zonen” erklärt. Hautwunden, Atemwegserkrankungen, Unfruchtbarkeit und genetisch bedingte Defekte bei Säuglingen waren in den Folgejahren des Unfalls von Tschernobyl die Norm: Kinder kamen mit verwachsenen, fehlenden oder deformierten Gliedmaßen zur Welt. Schenkt man einem Bericht der WHO Glauben, dann wäre der zu erwartende Einfluss der Radioaktivität auf künftige Generationen lediglich gering. Der Bericht stieß bei lokalen und internationalen Experten auf Skepsis. Innerhalb weniger Monate nach dem Unfall wurde der Reaktor mit dem Zweck in eine Zementhülle eingeschlossen, die radioaktive Strahlung zu absorbieren und die verbleibenden Brennmaterialien einzudämmen. Dieser Sarkophag wurde jedoch nur als Übergangslösung für die Dauer von 20 bis 30 Jahren geschaffen. Ein Programm zur weiteren Absicherung des Standortes ist im Gang.
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