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Streit um die Wirksamkeit der HPV-Impfung

“Blockbuster“ - so nennen Pharmafirmen Arzneimittel, mit denen man richtig viel Geld machen kann. Die HPV-Impfung ist so ein Blockbuster. Sie soll junge Mädchen vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Allein Marktführer Sanofi Pasteur MSD hat bereits mehr als eine Million Impfdosen in Deutschland verkauft. Auch dank einer beispiellosen PR-Kampagne. Nicht nur Werbung im Fernsehen, sondern auch Vorträge an Schulen, Kampagnen im Internet - und wer genau hinschaut, findet immer häufiger: gesponsert von den Herstellern. Es funktioniert. Eine kritische Auseinandersetzung mit Wirkung und Nebenwirkung findet kaum statt.

Eine Gruppe von 15 Ärzten und Wissenschaftlern hat fast ein Jahr recherchiert, sich durch Zahlen, Studien und Zulassungsunterlagen des Herstellers gearbeitet. Von dem Ergebnis waren sie selbst überrascht.

Auzugsweise einige Kommentare:

Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Vors. Arzneimittelkommission der Dt. Ärzteschaft: “Die richtigen Zahlen, die sicherlich den wenigsten jungen Mädchen und Frauen zum Zeitpunkt der Impfung Monitor vom 19.02.2009 - Geschönte Zahlen? Streit um die Wirksamkeit der HPV-Impfung deutlich waren, sind erst nach sehr sorgfältiger Beschäftigung mit den Ergebnissen offenbar geworden und von den Herstellern in keiner Weise richtig dargestellt worden.

„Das Ergebnis war, dass die Wirksamkeit viel geringer ist, als sie von den Herstellern suggeriert wurde.” Humane Papillomviren werden durch Geschlechtsverkehr übertragen und können am Gebärmutterhals Zellveränderungen hervorrufen. Es gibt viele verschiedene HPV-Viren. Etwa 15 gelten als potenziell krebserregend. Die Impfung wirkt zu fast 100 Prozent gegen die zwei aggressivsten, den HPV-Typ 16 und 18.

Was passiert, wenn diese beiden quasi weggeimpft werden?

Prof. Martina Dören, Universitätsklinikum Charité Berlin: “Wir wissen heute noch gar nicht, was eigentlich passiert, wenn man mit einer Impfung in die Biologie eingreift, zwei Viren praktisch aus dem Verkehr nimmt. Es kann sehr wohl sein, dass dann andere Viren an die Stelle treten und das Werk im Körper am Gebärmutterhals womöglich fortsetzen können.” Für die jungen Mädchen ist deshalb entscheidend, wie sich ihr Risiko insgesamt verringert, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken oder zumindest an gefährlichen Vorstufen, die dann entfernt werden. Eine Zahl für Gardasil nennt Sanofi in einer Fachinformation. Die Reduktion gefährlicher Vorstufen betrage bezogen auf alle HPV-Viren 46,1 Prozent.

Auf diese Zahl kommt der Hersteller allerdings nur, weil er nachträglich Untergruppen gebildet hat. Ein notwendiges und etabliertes Verfahren, sagt Sanofi. Beim Institut für Qualitätssicherung der Bundesregierung sieht man das anders.

Prof. Peter Sawicki, Institut für Qualität u. Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: “Also die Ergebnisse von Untergruppenauswertungen sind häufig falsch. Wir würden uns nicht trauen, auf der Basis einer solchen Untergruppenauswertung eine Empfehlung auszusprechen. Das liegt daran, dass der Wunsch dabei der Vater des Gedankens ist und man häufig die Daten so behandelt, dass das rauskommt bei der nachträglichen Auswertung, was man sich eigentlich gewünscht hat. Also unzuverlässig.”

Doch wie wirkt sich die Impfung nun wirklich aus, auf Krebsvorstufen verursacht durch alle HPVTypen?

Und das vor allem bei Mädchen, die noch nicht mit HPV-Viren in Kontakt waren?
Erstaunlich, diese Gruppe hat der Hersteller gar nicht untersucht - aus ethischen Gründen, wie es heißt. Mädchen, die sich noch nicht mit HPV 16 und 18 infiziert hatten, gab es dagegen schon. Bei ihnen findet sich bezogen auf gefährliche Krebsvorstufen aller HPV-Typen ein Rückgang von nicht einmal mehr 27 Prozent. In einem Hintergrunddokument bei der amerikanischen Zulassungsbehörde sogar nur noch 16,9 Prozent.

27 und 16,9 Prozent, sind das realistische Zahlen zur Wirksamkeit? Wir fragen nach bei Sanofi.

Ein zugesagtes Interview wird kurzfristig wieder abgesagt. Schriftlich ist von einem bis zu 100-prozentigen Schutz nicht mehr die Rede, jetzt heißt es, die Impfung könne bis zu 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebse verhindern. Niedrigere Zahlen hält man nicht für aussagekräftig. Sie bezögen sich auf Mädchen, die teilweise mit anderen HPV-Typen vorinfiziert waren. Mit anderen HPV-Typen werden sich aber auch die geimpften Mädchen im Laufe der Zeit infizieren. Nur neue Studien könnten wirklich Klarheit bringen. Studien mit jungen Mädchen, die der Gruppe, die geimpft werden soll, möglichst nahe kommt.

Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Vors. Arzneimittelkommission d. Dt. Ärzteschaft: “Die größte Gefahr ist sicherlich, dass man die offenen Fragen, die derzeit ohne Zweifel existieren, nicht aktiv genug angeht, dass man in der Öffentlichkeit die Wirksamkeit eindeutig zu positiv darstellt, dass man die auch bestehenden langfristigen Risiken, die man nur zum Teil kennt, nicht sorgfältig genug untersucht, und dass man dann mehr oder weniger den jungen Mädchen und den Frauen in den Aufklärungsgesprächen nicht die Informationen liefern kann, die sie benötigen, um zu sagen sie möchten sich impfen lassen, ja oder nein.”

Autoren: Ursel Sieber, Monika Wagener, Frank Konopatzki

Fundstelle: http://www.wdr.de/tv/monitor  

Ergänzung:

Nach Tod einer Britin ruft Glaxo eine Charge des Krebsimpfstoffs Cervarix zurück. Am Montag war das Mädchen kurz nach der Impfung gegen Gebährmutterhalskrebs  gestorben. Ein Zusammenhang mit der Impfung ist offen. Cerivarix ist in 98 Staaten zugelasen, das Konkurenzprodukt Gardasil gibt es in 112 Staaten, beide auch in Deutschland.

Fundstelle:  Neuss-Grevenbroicher- Zeitung vom 30.9.09  Seite B1 und http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/impfen/article/568183/tod-nach-hpv-impfung-ursache-unklar.html

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