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Sarkopenie: Der Verlust an Muskelmasse und Kraft im Alter führt zur Behinderung und Morbidität

Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 15.3.2009 @ 19:53 In Gesundheit allgemein | 1 Kommentar

Der Begriff Sarkopenie steht für den nicht beabsichtigten Verlust von Skelettmuskulatur und der damit verbundenen Abnahme an Körperkraft [1]. Beides sind Merkmale eines natürlichen Alterungsprozesses, dessen Ausprägung zu einem bestimmten Zeitpunkt jedoch starken interindividuellen Schwankungen unterliegt. Ab einer nicht genau festzulegenden Grenze, besteht bei verringerter Körperkraft das Risiko der Invalidität. Daher muss es das Bestreben sein, die im Alter unabwendbare Sarkopenie so weit in Grenzen zu halten, dass sie keinen Krankheitscharakter annimmt. Für ältere Menschen hängt davon unter Umständen die Möglichkeit ab, ein unabhängiges Leben führen zu können.  

Welche Auswirkungen hat die Sarkopenie?  

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Zusammensetzung der Körpermasse insofern, als insbesondere der prozentuale Anteil an Fettgewebe größer wird. Doch neben der quantitativen Reduktion kommt es auch zu qualitativen Veränderungen der fettfreien Masse. Bei 20- bis 30-jährigen Männern machen die zellulären Bestandteile knapp 60 % der fettfreien Körpermasse aus. Im Alter sinkt dieser Anteil bei den über 80-Jährigen auf etwa 45 % ab. Da jedoch die fettfreie Masse insgesamt deutlich abnimmt, ist der absolute Verlust an Zellmaterial noch deutlich größer. An ihrer Stelle nimmt das interstitielle Bindegewebe mit vermehrten Wassereinlagerungen einen immer größeren Raum ein. Der Hauptteil der verloren gegangenen Zellmasse sind Muskelzellen und kontraktile Muskelzellproteine.  Neueren epidemiologischen Untersuchungen zufolge beginnt sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Masse der Skelettmuskulatur bereits schon nach der zweiten Lebensdekade allmählich abzunehmen [2]. Ältere Männer haben deutlich weniger Skelettmuskel-Fasern als jüngere Männer. Insbesondere gehen im Laufe der Jahre Typ-II-Fasern verloren. In gleichem Maße nehmen das intramuskuläre faserige Bindegewebe und das Fettgewebe zu.  

Parallel zur Abnahme der Muskelmasse sind mit zunehmendem Alter eingreifende physische Einbußen hinzunehmen. Neben der verminderten Kraft ist auch die Arbeitsleistung pro Zeiteinheit herabgesetzt [2]. Zudem sind Männer mit Sarkopenie etwa vierfach häufiger behindert als Männer mit normal großer Muskelmasse [3].  

Welche Mechanismen führen zur Sarkopenie?  

Im Alter sind die anabolen Stimuli reduziert bzw. sie sind nicht mehr gleich wirksam. Hierzu zählen die nervale Versorgung, das Testosteron, die Östrogene, das Wachstumshormon, das Insulin, die Proteinzufuhr und die körperliche Aktivität. Zudem gewinnen katabole Stimuli zunehmend die Oberhand.   Auch bei aktiven, athletisch trainierten Menschen ändert sich mit zunehmenden Alter die Zusammensetzung des Körpers. Offenbar laufen mit der Zeit physiologische Prozesse ab, die unabwendbar zur Sarkopenie führen. Ob sich daraus allerdings ein klinisch relevantes Problem entwickelt, hängt von einer Reihe von Faktoren ab.  

Als Ursachen der Sarkopenie werden verschiedene Mechanismen diskutiert [3]:

  • Abnahme des Wachstumshormons und der Insulinähnlichen Wachstumsfaktoren;

  • Androgenmangel;

  • Östrogenmangel;

  • Verlust von a-Motoneuronen im Rückenmark;

  • Unzureichende Proteinaufnahme;

  • Rückgang der Umsatzrate von Muskelproteinen;

  • Dysregulierte katabol wirkende Zytokine;

  • Bewegungsmangel.

Durch Sexualsteroide erfährt die Muskulatur direkt anabole Impulse. Diese werden auch beim Mann im Alter geringer, denn die Testosteronproduktion sinkt pro Jahr im Durchschnitt um 1 bis 2% ab. Dieser Rückgang wirkt sich noch deutlicher beim freien Testosteron aus. Neben dem Verlust an anabolen Stimuli führt ein Testosteronmangel auch zur Einbuße an anti-katabolen Effekten, denn das Sexualsteroid inhibiert die Bildung kataboler Interleukine wie IL-1 und IL-6.  

Zur Entwicklung der Sarkopenie trägt sicher auch die im Alter nachlassende Insulinwirkung bei. Das betrifft in erster Linie Diabetiker, aber auch die bei älteren Menschen zunehmende Resistenz gegenüber dem Insulin begrenzt dessen anti-katabole Wirkung. Hierbei spielen neben dem Alter auch die Zunahme des viszeralen Fettgewebes und Bewegungsarmut eine zentrale Rolle. Insbesondere Einflüsse, die zu einer Erhöhung der Konzentration an Tumor-Nekrosefaktor- (TNF-a) beitragen, beeinträchtigen die Funktion der Insulinrezeptoren.  

Wie lässt sich der Sarkopenie begegnen?  

Der Hauptteil der im Alter verloren gegangenen Zellmasse sind Muskelzellen und kontraktile Muskelzell-Proteine. Die einfachste als auch wirkungsvollste Maßnahme, einer Sarkopenie entgegenzuwirken, ist ausreichendes körperliches Training. Damit lassen sich auch bereits eingetretene Verluste an Muskelmasse rückgängig machen, so dass eine altersbezogen günstige Fett-Muskel-Relation hergestellt werden kann.  

Allein durch eine Substitution von Testosteron lässt sich bei hypogonadalen Männern eine moderate Vermehrung der Muskelmasse insbesondere des Rumpfes und eine Verminderung der Fettmasse insbesondere in den Extremitäten erreichen, ohne dass jedoch die Muskelkraft (Beugen und Strecken des Kniegelenks) signifikant zunimmt [5]. Andere Arbeiten weisen allerdings auch eine geringgradige Zunahme der Muskelkraft nach. Offenbar aber muss die Funktionalität der Muskulatur durch Belastungstraining hart erarbeitet werden.  Auch die Behandlung älterer Männer mit rekombinantem menschlichen Wachstumshormon (r-hGH) erbrachte zwar eine Optimierung der Muskel-Fett-Relation, nicht jedoch eine Zunahme der Muskelkraft [6]. Neuere Untersuchungen mit niedrig dosiertem r-hGH in Kombination mit einer Testosteronsubstitution erbrachten günstigere Ergebnisse als mit der jeweiligen Monotherapie [7].  

Fundstelle: [1] http://www.andrologen.info/andros/zeitschrift/z_feb_03/z-sarkopenie.php  

Literatur: 

[1]Rosenberg IH. 1997. Sarcopenia: origins and clinical relevance. J Nutr 127:990S-991S. 

[2]Joszi AC, Campbell WW, Joseph L, et al. 1999. Changes in power with resistance training in older and younger men and women. J Gerontol Med Sci 54A:M591-M596. 

[3]Baumgartner RM, Koehler KM, Gallagher D, et al. 1998. Epidemiology of sarcopenia among the elderly in New Mexico. Am J Epidemiol 147:755-763. 

[4]Holloszy JO. 1995. Workshop on sarcopenia: muscle atrophy in old age. J Gerontol 50A:1-161. 

[5]Snyder PJ, Peachey H, Hannoush P, et al. 1999. Effect of testosterone treatment on body composition and muscle strength in men over 65 years of age. J Clin Endocrinol Metab 84:2647-2653. 

[6]Papadakis MA, Grady D, Black D, et al. 1996. Growth hormone replacement in healthy older men improves body composition but not functional ability. Ann Intern Med 124:708-716. 

[7]Ivey FM, Herman SM, Hurley BF, et al. 1999. Effects of GH and/or sex-steroid administration on thigh muscle and fat by magnetic resonance imaging in healthy elderly men and women. Proc 81st Meeting of the endocrine Soc, San Diego, CA.


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