Begünstigen hohe Serum-Homocysteinspiegel das Risiko für arteriosklerotische Erkrankungen?

Abgeleitet aus den Stoffwechselwegen können Ursachen für eine erhöhte Homocystein-Konzentration sowohl Enzymdekte als auch Mangel an den Co-Faktoren Vitamin B6,B12 und Folsäure sein. Ernährungsgewohnheiten haben einen wichtigen Einfluss auf den Homocysteinspiegel. So stehen diese in direkter Beziehung zur Vitaminaufnahme. Der Lipidstatus ist dagegen mit Homocystein im Blut nur schwach assoziiert. Eine positive Korrelation des Plasma-Homocysteins findet sich mit ansteigendem Alter. 

Möglicherweise liegt das an mit dem Alter abnehmenden Co-Faktoren-Konzentrationen. Es gibt auch Hinweise, dass mit steigendem Alter die Aktivität der Cystathionin-b-Syntase abnimmt und daraus ein Anstieg des Homocysteinspiegels resultiert. 

Faktoren, die einem erhöhten Homocysteinspiegel begünstigen: 

Ernährung

  • Vitamin B6-Mangel,
  • Vitamin B12-Mangel
  • Folsäuremangel
  • erhöhte Eiweiß- und Methioninaufnahme
  • strenger Vegetarismus
  • reichlicher Kaffeegenuss
  • Alkoholmissbrauch 

Genetische Faktoren:·         Enzymdefekte 

Alter und Geschlecht:·        

  • ab mittlerem Lebensalter (ab dem 40. Lebensjahr)·        
  • Männer sind häufiger betroffen als gleich alte Frauen (Frauen holen nach den Wechseljahren auf) 

Krankheiten:·        

  • Diabetes mellitus Typ 1. und 2
  • Krebsleiden
  • Chronisches Nierenversagen
  • erhöhte Kreatininspiegel
  • gesteigerte Thrombosehäufigkeit
  • schwere Schuppenflechte
  • Atherosklerose 

Medikamenteneinnahme:

  • Colestipol (Lipidsenker), Methotrexat (Chemotherapeutikum),
  • Niacin (bei Fettstofftwechselstörungen, Hautleiden u.a. eingesetzt),
  • Nitrat (Gefäßerweiternd bei Angina pectoris/koronarer Herzkrankheiten),
  • Östrogenhaltige Empfängnisverhütungsmittel,
  • Phenytoin, Carbamazeptin (Epilepsie Medikamente), Theophyllin (Antiasthmatikum),
  • Parkinsonmittel, Antibiotika, Antazida,  Antirheumatikum. 

Norm- und Grenzwerte der Homocysteinkonzentrationen

Der Grenzwert, ab dem eine Homocysteinspiegel als riskant eingestuft wird, verschob sich in der letzten Zeit immer weiter nach unten. 

Nüchternwert:

  • < 8 mmol/l       kein erhöhtes homocysteinabängiges Risiko 
  • 8 -10 mmol/l    grenzwertiger Befund
    Schädliche Auswirkungen sind z.B. über den. Einfluss auf die Gerinnung möglich. Ein erhöhtes Risiko ist daher nicht auszuschließen, Behandlung empfohlen 

  • 10 -15 mmol/l    erhöhter Homocysteinspiegel mit gefäßaggressiven Wirkungen
    deutliche Risikosteigerung sind z.B. für Gefäßeinengungen an der Karotis durch Studien belegt,
    Behandlung erforderlich 

  • > 15 mmol/l
    für die Gefäßgebiete Herz, Gehirn und periphere Arterien besteht erhöhtes Thromboembolie-Risiko, Behandlung unbedingt erforderlich 
  • Homocystein und Atherosklerose

    Über die Mechanismen, wie Homocystein das Atheroskleroserisiko beeinflusst, gibt es bisher keine gesicherten Erkenntnisse. Mit Hilfe einiger Studien konnte gezeigt werden, dass die Interaktionen von Homocystein mit Übergangsmetallen wie Eisen und Kupfer zu einer Bildung von pro-oxidativen und zytotoxischen Produkten wie Wasserstoffperoxid u.a. reaktiven Sauerstoffverbindungen führt. Diese Radikalfreisetzung steigert die gefäßschädigende Oxidation von LDL-Cholesterin und beeinträchtigt die Hemmung der Plättchenaggregation auf Grund von Produktionsstörungen der vasodilatatorischen Substanz Stickstoffmonoxid im Endothel. Als Folge werden Gerinnungsprozesse ausgelöst.Die gesteigerte Ablagerung oxidierter Cholesterinkristalle, die vermehrte Calciumeinlagerung und Kollagenbildung, die Hyperplasie der glatten Muskelzellen sowie die Degeneration der elastischen Fasern und der damit verbundene Elastizitätsverlust aber auch die Anregung der Gerinnselbildung nach Einsetzen eines Zeltschadens an den gefäßauskleidenden Zellen werden z.T. durch Homocystein selbst oder durch weitere Reaktionsprodukte verursacht. Insgesamt führen diese Faktoren zu einer zunehmenden Einengung der Gefäße und schließlich zu deren Verschluss, meist durch hinzukommende Gerinnsel-„Pfropfen“.Die Mechanismen, über die Homocystein die Gefäße schädigt, wirken sich v.a. an den Arterien aus, da hier durch die hohe Druckbelastung der Verschleiß um ein vielfaches höher liegt als an den Venen. Betroffen sind alle Gefäßgebiete, die des Herzens, des Gehirns und die der peripheren Arterien. 

    Homocystein als unabhängiger Risikofaktor für atherosklerotische Erkrankungen 

    Neben den gefäßschädigenden Einflüssen durch Hypertonie, Diabetes, Adipositas, Nikotinabusus, mangelnde Bewegung und Stress wurde lange Zeit das Cholesterin als Haupt-Risikofaktor der Atherosklerose diskutiert. Auf diese altbekannten Faktoren konnten aber nur 50 Prozent aller atherosklerotischen Erkrankungen zurückgeführt werden. Es muss noch ein weiter Hauptfaktor existieren. 

    Die Vermutung über einen Zusammenhang von arteriosklerotischen Läsionen und Homocystein wurde erstmals 1969 publiziert. Es wurde beobachtet, dass Personen mit einer seltenen Krankheit namens Homocysteinurie im Alter vorn 10 bis 30 Jahren schwere Herzerkrankungen entwickelten- Bei der Homocysteinurie verursacht ein Enzymdefekt die Anhäufung von Homocystein im Blut. Bereits geringfügig bis mäßig erhöhte Homocysteinkonzentrationen im Blut beeinflussen die Manifestation von koronaren, zerebrovaskulären und peripheren atherosklerotischen Erkrankungen. Es ist jedoch noch nicht geklärt, ab welcher Konzentration genau Homocystein das Risiko erhöht und ob Homocystein selbst, seine Metabolite oder Co-Faktoren die Ursache sind. 

    Man geht davon aus, dass 7 Prozent der Bevölkerung erhöhte Homocysteinkonzentrationen entwickeln. Bei Menschen, die bereits an den Folgen einer Atherosklerose leiden, beträgt die Rate sogar bis zu 50 Prozent, Menschen ab dem 40, Lebensjahr sollten stets mit einem Ansteigen des Homocysteinspiegels rechnen, wobei bereits 30 Prozent aller 65 Jährigen und 60 Prozent der 85 Jährigen nachweisbar erhöhte Werte aufweisen. Auslöser, für den Anstieg im Alter können eine schlechte Vitaminversorgung bedingt durch Mangelernährung oder Alter, Magen-Darmerkrankungen, Homocysteinspiegel beeinflussende Medikamente sowie Alkoholkonsum und verminderte Nierenfunktion sein. Als zusätzliche Risikofaktoren sind Nikotin, Bluthochdruck und ein hoher Kaffeekonsum zu nennen. 

    Behandlung eines erhöhten Homocysteinspiegel 

    Die therapeutische Senkung der Plasma-Homocystein-Werte ist relativ einfach möglich. Neben der Behandlung der eventuellen Ursache kann der Plasma-Homocystein-Wert mit Hilfe von Folsäure, Vitamin B6 und B12 rasch in den Normalbereich fallen, und dies auch bei Patienten ohne entsprechendem Vitaminmangel.Für Personen mit einem Homocysteinspiegel über 12 pmol/1 wird eine erhöhte Zufuhr der B-Vitamine über die Nahrung empfohlen. 

    Folsäure:·        

    • Getreideprodukte·         (Vollkornbrot, -produkte, Keimlinge)·        
    • Gemüse und Salate, (Kohlsorten z.B. Blumen-, grün-, Rosen-, Weißkohl, Brokkoli; Hülsenfrüchte z.B. Bohnen. Linsen; dunkle Blattsalate z.B. Spinat, Mangold; Feldsalat;  
    • Innereien z.B. Leber, Niere) 

    Vitamin B6:·        

    • Getreideprodukte (Vollkornbrot, -produkte, Weizenkleie)
    • Gemüse (Spinat, Karotten, Brokkoli)
    • Nüsse (Walnüsse)
    • Fleisch (Brathuhn, Gans) 

    Vitamin B12:      

    • Lebensmittel tierischen Ursprungs (Leber-, Fleisch, Milch, Eier, Käse)
    • Vergorene Lebensmittel traditioneller Produktionsart (Sauerkraut, Miso) 

    Eine Supplementierung kann sinnvoll sein, wird aber erst bei Homocysteinkonzentrationen über 30 mmol/l ausdrücklich gefordert. Als Dosierung wird eine Kombination aus 400 bis 800 µg Folsäure, 2 bis 4 mg Vitamin B6 und 400 µg Vitamin B12 pro Tag vorgeschlagen. Allerdings ist es nicht ausreichend, die Homocysteinwerte einmalig zu senken. Sie müssen dauerhaft im Normalbereich gehalten werden. Setzt man mit der zusätzlicher Vitamingabe aus, steigen die Homocysteinspiegel wieder rasch in pathologische Bereiche. Die Behandlung muss daher auf Dauer fortgesetzt werden. 

    One Response to “Begünstigen hohe Serum-Homocysteinspiegel das Risiko für arteriosklerotische Erkrankungen?”

    1. Gerade die Wechselwirkungen nehmen immer mehr zu, da die Menge der verordneten Medikamente nicht nur steigt, sondern auch immer unübersichtlicher wird. Dies kann man nur noch im Einzelfall und online recherchieren und ich habe einen Anlauf unternommen, ein paar Online-Ressourcen zu Arzneimittel-Neben- und -Wechselwirkungen zusammenzustellen.

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