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Pestizide in Lebensmitteln
Greenpeace kritisiert Lockerung von Grenzwerten
Paprika gehört zu den Gemüsesorten, die besonders viele Vitamine enthalten, oft aber auch eine Extra-Dosis an Pestiziden. Auch viele andere Lebensmittel weisen laut Greenpeace immer höhere Pestizidrückstände auf - und zwar ganz legal. Denn die gesetzlich erlaubten Höchstmengen für Pestizide in Obst, Gemüse und Getreide seien in den vergangenen fünf Jahren massiv angehoben worden.
Das Spritzmittel Chlorthalonil soll Hopfen vor Pilzkrankheiten schützen - und steht in Verdacht, Krebs zu erzeugen sowie Nieren und die Leber zu schädigen. Bis zum Jahr 2000 durfte ein Kilogramm Hopfen nach der Ernte 0,01 Milligramm des Fungizids enthalten. Dann wurde der Höchstwert um den Faktor 5.000 angehoben: auf 50 Milligramm pro Kilogramm. Auch die Höchstgrenzen anderer Pestizide im Hopfen wurden in den vergangenen fünf Jahren gelockert, sodass er insgesamt mehr als das 10.000-fache an Pestiziden enthalten darf als früher. Damit führt Hopfen die Negativliste einer neuen Studie der Umweltorganisation Greenpeace mit dem Titel “Pestizide am Limit” an.
Krebs erregend und schädlich für das Hormonsystem
Insgesamt sei in 59 Prozent der pflanzlichen Lebensmittel die zulässige Pestizid-Grenze seit 1999 erhöht worden, nur in 41 Prozent wurde sie gesenkt. Besonders oft nach oben korrigiert wurde das Limit demnach im Jahr 2003, nämlich 319 Mal. Zu den zehn Pestiziden, bei denen die Grenzwerte am stärksten heraufgesetzt hat Greenpeace im Internet veröffentlicht wurden, seien acht besonders gesundheitsgefährdend, heißt es in der über 50 Seiten starken Studie. Sie lösten möglicherweise Krebs aus, beeinträchtigen das Hormon- und Fortpflanzungssystem und schädigen Gewässerorganismen. In Deutschland werden nach Angaben des Umweltbundesamts jährlich rund 30.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel ausgebracht, etwa 30 Tonnen davon landen in Flüssen und Seen.
Ein Spritzmittel-Cocktail kann mehrfach belasten
Höchstgrenzen werden in der EU immer auf ein Pestizide in einem bestimmten Lebensmittel festgelegt. Greenpeace beklagt, dass das Zusammenwirken der verschiedenen Schadstoffe dabei außer Acht gelassen würde. Enthält ein Lebensmittel mehrere Pestizide unterhalb der Höchstgrenze, wird es bei Kontrollen nicht beanstandet. Anders als in den USA werde bei uns nicht berücksichtigt, dass Wirkstoffe verschiedener Pflanzenschutzmittel ein und dasselbe Organ schädigen und sich gegenseitig noch verstärken könnten.
Auch Grenzwerte sind keine Garantie
“Selbst die vielfach angehobenen Höchstwerte werden in Obst und Gemüse immer häufiger überschritten”, sagte Manfred Krautter von Greenpeace. Die Pestizidbelastung der Verbraucher steige dadurch massiv an. Krautter fordert deshalb, die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte in allen Lebensmitteln EU-weit auf 0,01 Milligramm pro Kilogramm abzusenken, wie sie bereits für Fertig-Babynahrung gelten. Zudem forderte er ein wirksames Programm, mit dem der Pestizidverbrauch in der Landwirtschaft
gesenkt werden könnte.
Fundstelle: www.greenpeace.de
Lesen Sie auch http://s267274200.online.de/archives/380