Calendar
Februar 2012
M D M D F S S
« Dez    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829  

Unsichtbare Pestizide

Insgesamt 1.134 weltweit eingesetzte Pestizide wurden im Auftrag von Greenpeace von unabhängigen Experten überprüft. 29 davon wurden in eine „Schwarze Liste für gefährliche Pestizide” aufgenommen. Darunter befinden sich 168 Spritzmittel, die die Europäische Union erlaubt. Greenpeace fordert, diese gefährlichen Pestizide zu verbieten. 

„In der konventionellen Landwirtschaft werden noch immer in einem alarmierenden Ausmaß hochgefährliche Pestizide auf Obst, Gemüse und Getreide versprüht. Chemikalien, die Krebs auslösen, das Fortpflanzungsvermögen beeinträchtigen oder das Hormon- und Immunsystem schädigen können, gehören nicht in unser Essen”, sagt Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. 13 der gefährlichsten Pestizide nähmen Verbraucher besonders häufig über das Essen auf. Dazu zähle das BASF-Produkt Iprodion, das - obwohl es im Verdacht stehe, krebserregend zu sein - zugelassen worden ist. Ähnlich Imazalil von Syngenta und Bayer, das in gespritzten Zitrusfrüchten stecke - häufig sogar in Konzentrationen über den gesetzlichen Grenzwerten. 

Als besonders brisant wertet Greenpeace die Ergebnisse einer Studie, die belegt, dass selbst die besten staatlichen Lebensmit­tellabore beim Überwachen von Obst, Gemüse und Getreide mehr als die Hälfte der enthaltenen Pestizide gar nicht erkennen. Deshalb fordert die Organisation, solche für die Überwachung praktisch unsichtbaren Gifte ab sofort nicht mehr zuzulassen. „Unsere staatliche Lebensmittelüberwachung kann die wahre Belastung von Obst, Gemüse und Getreide mit giftigen Pestiziden nicht einmal annähernd aufdecken”, bemängelt Manfred Krautter. Man müsse davon ausgehen, dass weitaus mehr gesundheitsschädliche Spritzmittel im Essen stecken, als bisher angenommen. „Schuld daran ist die zu industrie-freundliche Pestizid­zulassung in Deutschland und der EU sowie Mängel bei der Überwachung durch die Länder”. Verbrauchern rät Greenpeace zu Bioware, die in der Regel komplett frei ist von künstlichen Pestiziden. Und die Überwachung sei im Biobereich auch besser. 

Diese Ansicht teilt auch der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN). Nicht nur, dass für die freiwillige, regelmäßige Rückstandskontrolle der Branche die besten Privatlabors engagiert werden, bei Bioprodukten beginne die Sicherheit schon auf dem Hof: Fallen bei der Kontrolle der Unterlagen zu hohe Erträge auf, werde sofort dem Verdacht nachgegangen, ob unerlaubte Betriebsmittel eingesetzt oder konventionelle Ware untergemischt wurde. Besonders wichtig ist dem BNN der Hinweis, dass das ganze Problem ausschließlich von der Agroindustrie verursacht wird. Die einzig sinnvolle Lösung sei der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz wie er im Ökolandbau praktiziert werde. 

Fundstelle:  Natur & Heilen  6/2008

Antwort schreiben