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Akupunktur-Studien

Die größten wissenschaftlichen Studien zur Akupunktur werden jetzt ausgewertet – und führen zu verblüffenden Ergebnissen.   Vor vier Jahren starteten die ersten deutschen Modellprojekte zur Akupunktur. Tausende von Patienten sollten unter den kritischen Augen von Professoren verschiedenster Universitäten den Nachweis erbringen, ob die chinesische Nadel-Heilkunst auch nach streng wissenschaftlichen Maßstäben wirksam ist. Wenn ja, dann müsste Akupunktur wohl endlich als normale Leistung der Krankenkassen anerkannt werden.  Nun liegen die Ergebnisse der ersten Studien vor. Sie verblüffen die 400 behandelnden Fachärzte ebenso wie die Wissenschaftler.

  1. Erstes klares Ergebnis: Akupunktur wirkt besser und dauerhafter gegen chronische Kreuz- und Knieschmerzen als eine schulmedizinische Standardtherapie mit Schmerzmitteln und Krankengymnastik.

  2. Zweites überraschendes Ergebnis: Die Nadeln haben die Schmerzen auch dann doppelt so gut wie die Schulmedizin gelindert, wenn die Ärzte sie nicht in die klassischen Akupunkturpunkte gesetzt haben, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) beschrieben sind.

Drei Gruppen von Freiwilligen  In allen vier Kernstudien (die begleitet werden von umfangreichen Modellstudien an mehr als einer Million Patienten) gingen die Forscher ähnlich vor: Jeweils über 1.000 Freiwillige mit Migräne, Knie-, Rücken- oder Verspannungskopfschmerzen wurden per Los in eine von drei Gruppen eingeteilt.

  1. Die erste Gruppe wurde nach dem üblichen schulmedizinischen Standardprogramm behandelt, bestehend aus Massagen, Krankengymnastik und Medikamenten.

  2. Die zweite Gruppe erhielt 10 bis 15 Akupunkturbehandlungen, die sich an der chinesischen Lehre orientierten und die Nadeln an den anerkannten Akupunkturpunkten setzten.

  3. Das dritte Drittel wurde zwar mit Akupunkturnadeln gestochen, aber – ohne Wissen der Patienten – nicht in die jeweiligen Akupunkturpunkte, sondern immer einige Zentimeter davon entfernt. Dieses spezielle Verfahren sollte sicherstellen, dass diese Patienten die Schein-Akupunktur „nicht von einer traditionell-chinesischen Akupunktur unterscheiden konnten“, sagt der Orthopäde Dr. Albrecht Molsberger aus Düsseldorf, der das Konzept dieser „Gerac“-Studien („German Acupuncture Trials“, Deutsche Akupunktur-Studien) entwickelt hat.

Die Auswertungen der Kernstudien waren „sehr erfreulich“, urteilte Dr. Molsberger, der zum Leitungsstab der Gerac-Studien gehört und auch selbst Akupunktur praktiziert. “Unser Ziel war es zunächst, die Akupunktur auf ihre anhaltende, schmerzlindernde Wirkung zu testen”. Nach drei Monaten Behandlungsdauer hat das Ergebnis die Erwartungen übertroffen. „Wir haben nach Jahren intensiver Forschung in einer der größten Studien der Welt eine Therapieform gefunden, die praktisch ohne Nebenwirkungen langfristig nahezu doppelt so gut wirkt wie ein Schmerzmittel.“ 

Das Fazit:  

Die schulmedizinische Standardtherapie half bei rund 27 % der Patienten. Die Wirkung der Akupunktur war nahezu doppelt so groß. „Besonders auffällig ist, dass bei der Akupunkturbehandlung auch der Schmerzmittelverbrauch am geringsten ist. Dieser Punkt muss jetzt genauer untersucht werden”, sagt der Düsseldorfer Mediziner.  Rätselhaft allerdings ist der Erfolg der eigens für diese Studie erfundenen Schein-Akupunktur. Sie war ebenfalls der schulmedizinischen Therapie weit überlegen und liegt nur wenige Prozentpunkte hinter der „echten“ Akupunktur.  

Bei der Knieschmerz-Studie sahen die Ergebnisse so aus: Eine Abnahme der Schmerzen und Verbesserung der Gelenkfunktion ließ sich in allen drei Gruppen nachweisen. Bei den Patienten mit TCM-Akupunktur waren es 51 %, bei der Schein-Akupunktur 48 % und bei der schulmedizinisch üblichen Behandlung 28 %. 

Eingebildete Heilung?  

Akupunktur-Kritiker sahen darin sogleich einen Beweis für den Placebo-Effekt: Ein Fall von „eingebildeter Heilung“, kommentierte der „Spiegel“. Die TCM-Experten grübeln noch, woran der Erfolg der Schein-Akupunktur liegen könnte. „Sie war erstaunlich gut wirksam, es stellt sich die Frage warum“, meinte Dr. Gabriel Stux von der Deutschen Akupunktur Gesellschaft. Er weist darauf hin, dass andere Studien einen deutlichen Vorsprung für die „echte“ (Verum) Akupunktur gezeigt hätten. Zudem sei eine Nadel-Behandlung, auch wenn sie an falschen Punkten durchgeführt werde wie in der Gerac-Studie, mehr als nur ein Placebo. Ein reines Vortäuschen von Akupunktur „ist genau so wenig möglich wie eine Operation, Psychotherapie oder Massage vorzutäuschen ist“. Die Diskussion darüber wird sicher noch fortgeführt werden. Auch stehen noch zwei der vier Studienergebnisse (zu Kopfschmerzen und Migräne) aus. Sie sollen demnächst veröffentlich werden. Im Sommer 2005 will dann der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen über die Akupunktur entscheiden.  

Dieser Bundesausschuss hatte vor vier Jahren in einer höchst umstrittenen Entscheidung die Akupunktur aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen ausgeschlossen. Seitdem darf sie von den Krankenkassen nur im Rahmen der Modellprojekte bezahlt werden. SECURVITA hat das laufende Modellprojekt, das Akupunktur-Behandlungen bei chronischen Kopf-, Rücken- und Knieschmerzen gestattet, vorsorglich noch einmal verlängert. Wir werden uns, wie schon vor vier Jahren, mit allem Nachdruck für die Akupunktur als Kassenleistung und für die Wahlfreiheit aller Versicherten einsetzen. 

Autor: Norbert Schnorbach 

Fundstelle: Deutsche Akupunktur Gesellschaft, Goltsteinstraße 26, 40211 Düsseldorf, Tel. 0211-369099, www.akupunktur-aktuell.de

Lesen Sie auch:  http://s267274200.online.de/archives/152 

http://www.medizinauskunft.de/artikel/diagnose/alternativ/28_01_04_akupunkturstudie.php

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