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Antioxydantien und Chemotherapie
Bei der Tumorbehandlung wird häufig eine hemmende Wirkung von antioxidativen Supplementen auf die Chemotherapie befürchtet und Patienten von einer Einnahme abgeraten. In einem kürzlich erschienenen Review gibt Mary L. Hardy, Center for Integrative Oncology an der Universität Kalifornien in Los Angeles (UCLA), einen Überblick über bereits publizierte Studien zum Thema Nahrungsmittelzusätze bei Krebstherapie und diskutiert eine Anzahl klinischer Studien an Patienten, bei welchen die Auswirkung von Antioxidantien auf die Chemotherapie untersucht wurde [1].
Die Bedenken bezüglich Nahrungsergänzungsmittel bei Chemotherapie konzentrieren sich hauptsächlich auf Interaktionen von Antioxidantien mit dem eingesetzten Chemotherapeutikum und dessen Metabolisierung. Trotz dieser Vorbehalte, konnten bisherige Studien die Bedenken vielfach nicht bestätigen. So zeigte die Supplementierung mit hohen Dosen der Vitamine C und E sowie des Spurenelementes Selen ganz im Gegenteil sogar tiefere Raten der therapiebedingten Nephro- und Ototoxizität ohne negative Auswirkung auf die Effektivität der Chemotherapie [2]. Präklinische wie auch einige klinische Studien deuten im Falle von Coenzym Q10 Beigabe ebenfalls auf eine reduzierte Toxizität der anthracyclinbasierten Chemotherapie [3].
Positive Auswirkungen von Antioxidantien zeigten sich insbesondere bei der Behandlung von Nebenwirkungen der Chemotherapie. Das meistuntersuchte Antioxidans bei deren Behandlung ist das Glutamin. Als Mundspülung zum Schlucken führte es bei Chemotherapie mit Methotrexat und Adriamycin zu tieferen Raten und Schweregraden von Mukositis wie auch zu weniger Schmerzen bei Stomatitis [4]. Einzig bei der Kombination von Glutamin mit 5-Fluoracil (5-FU) Chemotherapie kam es in diesem Zusammenhang zu keiner, weder positiven noch negativen Wirkung. Bei der Behandlung der intestinalen Toxizität bei 5-FU-Patienten verbesserte sich jedoch nach Glutamingabe die Ernährungssituation infolge tieferer Diarrhoe-Inzidenz. Bei Neuropathien als Folge von Paclitaxel oder der Oxaliplatin-5-FU Kombination kam es zur signifikanten Reduktion der Symptome. In keinem der Fälle hatte die Supplementierung negative Auswirkungen auf die Chemotherapie oder die Überlebenschancen der Patienten.
Auch Supplementierungen mit Vitamin E führten zu positiven Ergebnissen bei der Behandlung von Mukositis und Stomatitis, ausser in Kombination mit Doxorubizin, wo sie keine Auswirkungen hatten. Bei auf Platin oder Taxanen basierten Chemotherapien senkte es wiederum die Inzidenz und die Schwere der Neuropathie, ohne Auswirkungen auf das Tumorgewicht, Tumorwachstum oder das Überleben [5]. Prophylaktisch und symptommindernd bei der Behandlung von Mukositis und Stomatitis wirkten ebenfalls Zink und Zinksulfat wie auch pflanzliche Extrakte von Kamille oder Arnika.
Im Zusammenhang mit Cisplatin Chemotherapie zeigte Ingwer bei Patientinnen mit gynäkologischen malignen Tumoren ähnliche Wirkung wie das Antiemetikum Metoclopramid, mit jedoch weniger Nebenwirkungen [6]. Müdigkeit infolge von Cisplatin- oder Ifosfamidtherapien wurde bei Patienten mit einem Karnitinmangel erfolgreich und ohne Toxizität durch Gabe von Karnitin gelindert [7].
Entgegen bisheriger Vorbehalte gestaltet sich die Supplementierung mit Antioxidantien während der Chemotherapie als durchaus sinnvoll. Ohne negativ auf die Chemotherapie einzuwirken, zeigen sich Antioxidantien als vorteilhaft bei der Prävention und Behandlung von unerwünschten Nebenwirkungen der Chemotherapie.
Fundstelle: ENA
(1) Hardy ML. Dietary Supplement Use in Cancer Care: Help or Harm. Hematol Oncol Clin N Am 22 (2008) 581-617.
(2) Weijl NI, Elsendoorn TJ, Lentkes EG, et al. Supplementation with antioxidant micronutrients and chemotherapy-induced toxicity in cancer patients treated with cisplatin-based chemotherapy: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. Eur J Cancer 2004;40(11): 1713-23.
(3) Conklin KA. Coenzyme q10 for prevention of anthracycline-induced cardiotoxicity. Integr Cancer Ther 2005;4(2): 110-30
(4) Rubio IT, Cao Y, Hutchins LF, Westbrook KC, Klimberg VS. Effect of glutamine on methotrexate efficacy and toxicity. Ann Surg 1998;227(5): 772-8, discussion 778-80.
(5) Pace A, Savarese A, Picardo M, et al. Neuroprotective effect of vitamin E supplementation in patients treated with cisplatin chemotherapy. J Clin Oncol 2003;21(5): 927-31.
(6) Manusirivithaya S, Sripramote M, Tangjitgamol S, et al. Antiemetic effect of ginger in gynecologic oncology patients receiving cisplatin. Int J Gynecol Cancer 2004;14(6): 1063-9.
(7) Graziano F, Bisonni R, Catalano V, et al. Potential role of levocarnitine supplementation for the treatment of chemotherapy-induced fatigue in non-anaemic cancer patients. Br J Cancer 2002;86(12): 1854-7