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Nanopartikel - Wie gefährlich sind sie wirklich?
Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 21.4.2010 @ 21:26 In Schadstoffbelastung, Gesundheit allgemein | 1 Kommentar
Sie stecken in Kleidung, Kosmetika und Putzmittel: Nanopartikel. Die millionstel Millimeter kleinen Teilchen besitzen nützliche chemische und physikalische Eigenschaften. Doch Forscher warnen vor einem allzu sorglosen Umgang mit solchen Produkten. Denn im Tierversuch lösten die Partikel Lungentumore aus. Sie gelten als die Wunderdinger schlechthin und sind doch nur millionenstel Millimeter dünn: Nanopartikel. So ist ein menschliches Haar bis zu 80.000 Mal dicker als ein Nanopartikel. Durch ihre Winzigkeit verändern sich die Eigenschaften dieser Zwerge, weil sie in ihrer Summe eine viel größere Oberflächenstruktur haben als ein einzelner Partikel gleicher Gesamtgröße.
So bewirken die Miniteilchen, dass Lacke sich gleichmäßiger auf dem Untergrund verteilen. Nanosilber in Sport-Funktionskleidung wirkt antibakteriell und verhindert so Schweißgeruch. Nano-Titandioxid in Sonnencremes sorgt dafür, dass auf der Haut kein weißer Creme-Film zurückbleibt. Und Nano-Partikel im Schuhspray stellen eine wasserabweisende Oberfläche her.
Nanoteilchen sind kaum erforscht
Doch das Umweltbundesamt und der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND warnen: Noch sind die Auswirkungen der Kleinstteilchen kaum erforscht. Aber es gibt erste Anzeichen, dass sie gesundheitsgefährlich sein könnten. Da sie so winzig sind, dringen sie über die Atemwege mühelos bis in die Lungenbläschen ein. Dort können sie Lungenfibrose - eine tödlich verlaufende Krankheit - und sogar Krebs auslösen.
Tierversuche sind beunruhigend
In Tierversuchen wurde zudem gezeigt, dass solche Partikel die sogenannte Blut-Hirn-Schranke durchdringen können. Sie ist eigentlich dafür da, giftige Stoffe vom zentralen Nervensystem fernzuhalten. Über die Toxizität von Nanopartikeln weiß man gesichert, dass sie im Ökosystem Wasser Schäden anrichten. So bekamen Fische schwere Hirnschädigungen, als sie Nanopartikeln ausgesetzt wurden. Wasserflöhe, die Nanosilberpartikeln ausgesetzt waren, bekamen geschädigte Fortpflanzungsorgane und wiesen eine erhöhte Sterblichkeit auf. Es ist auch anzunehmen, dass sich die Miniteilchen in Entgiftungsorganen wie Niere oder Leber anreichern.
Jurek Vengels vom BUND:
“Es gibt also genug Hinweise auf mögliche Gefährdungen. Da es überhaupt keine Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Nanoteilchen gibt, sind die Verbraucher echte Versuchskaninchen.”Jurek Vengels beschäftigt sich mit dem Problem Nanoteilchen. Als großes Problem sieht er auch an, dass die Partikel mühelos die Plazenta durchdringen.
Verbraucher können nur ein paar Dinge machen, um sich vor Nanopartikeln zu schützen:
Tipps:
Alle Produkte vermeiden, die mit “nano” werben. Der BUND listet in seiner Studie vom Dezember 2009 zum Beispiel einige Produkte auf.
Bei Unsicherheiten beim Hersteller nachfragen.
Schuhspray mit Nanotechnologie, wenn überhaupt, dann nur im Freien verwenden.
Achtung: Es gibt Kinderspielzeug (Holzbauklötze), die mit Nanolacken bemalt sind. Keinesfalls kaufen, da zu vermuten ist, dass sich die Partikel ablösen, wenn Kinder die Spielsachen in den Mund nehmen.
Keine antibakteriellen Textilien, wie zum Beispiel Funktionsunterwäsche oder Sportsocken, kaufen. Sie werden damit beworben, dass man nicht mehr nach Schweiß riecht. Unsere Meinung: Zum Sport gehört auch Schweiß. Zudem wurde nachgewiesen, dass sich die Nanopartikel beim Waschen herauslösen - und dann wieder den Wasserhaushalt toxisch belasten.
Auch nanobeschichtete Küchenbretter braucht es nicht: Erstens lösen sich die Partikel beim Schneiden ab, da die Oberfläche des Brettes verkratzt. Und zweitens reicht es völlig, nach dem Spülen dafür zu sorgen, dass das Brett richtig trocken ist. Denn nur in Feuchtigkeit überleben Erreger.
Antibakterielle Lebensmittelfolie sollte ebenfalls nicht gekauft werden. Auch dort ist, wie zum Beispiel bei Plastikflaschen, bekannt, dass Teilchen davon in die Lebensmittel abgegeben werden.
Vorsicht auch mit Silberkolloid als Nahrungsergänzungsmittel. Zwar hat Silber antibakterielle Wirkung und deshalb wird das Mittel etwa zur Stärkung des Immunsystems empfohlen. Aber auch diese Produkte basieren oft auf Nanosilberpartikeln.
Autor: Andreas Szelenyi
Fundstelle: Sendeanstalt und Sendedatum: BR, Sonntag, 11. April 2010
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