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Früherkennung maligner Erkrankungen - Mythos Krebsvorsorge

Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 2.8.2010 @ 21:55 In Krebs | Keine Kommentare

Krebsfrüherkennung wird in hierzulande mindestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts als wichtiges Element der Prävention propagiert. Deutschland war 1971 auch das erste Land, das ein umfangreiches Krebsfrüherkennungsprogramm als Grundelement ihres Gesundheitswesens verankerte. Die lange Vorgeschichte hat zu der Prägung geführt, dass Krebsfrüherkennung grundsätzlich sinnvoll sei.  Doch alle Krebsfrüherkennungsmethoden besitzen ein Schadenspotenzial. Dieses Potenzial basiert auf drei grundlegenden Problemen.  

1.: Das Erkrankungs- und Sterberisiko ist aus Sicht des Einzelnen nicht groß. Berechnungen der Sterbewahrscheinlichkeit zeigen, dass von 1.000 Personen meist weniger als 10 in den nächsten 10 Jahren an einem bestimmten Tumor sterben werden. Daraus folgt, dass die große Mehrzahl der Teilnehmer an Krebsfrüherkennung keinen Nutzen, sehr wohl aber Schaden haben kann. 2.: Die Methoden sind nicht 100%ig treffsicher, sondern sie übersehen einen Teil der bösartigen Veränderungen, es kommt zu falsch-negativen Befunden. Und sie liefern bei einem im Wirklichkeit Gesunden einen auffälligen - falsch-positiven Befund. Das macht weitere, möglicherweise invasive Untersuchungen nötig, um die wirklich Krebskranken zu identifizieren.  

3.: Das Verhalten eines individuellen Tumors ist nicht sicher vorhersagbar. Früherkennung kann nur dann erfolgreich sein, wenn ein Krebs entdeckt wird, solange er nur lokal wächst. Daraus folgt, dass frühe Erkennung keine Gewähr bietet, dass die Diagnose einen Vorteil bietet. Ein besonderes Dilemma sind Tumore, die zwar alle Eigenschaften einer bösartigen Geschwulst aufweisen, aber so langsam wachsen, dass sie nie durch Krankheitszeichen auffallen würden, wenn man sie nicht zufällig entdeckt. Solche Überdiagnosen führen aber in der Regel zu Übertherapien, die dann ein Schaden sind. Eine Beratung über Früherkennung muss auch diese Probleme thematisieren. 

Autor: Dr. rer. medic. Klaus Koch 

Fundstelle: Vortrag Krebskongress 31.10.2009 


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