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Grüne Medizin gegen Krebs und Co.

Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 18.12.2008 @ 18:13 In Krebs | 1 Kommentar

Jedes Jahr sterben in Deutschland 210.000 Menschen an Krebs. Jeder dritte, so die Einschätzung zahlreicher Gesundheitsorganisationen, erkrankt, weil er sich falsch ernährt. Die Grundpfeiler einer gesunden Ernährung sind hinlänglich bekannt. Obst und Gemüse nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Die Deutschen sind allerdings ausgesprochene Gemüsemuffel. Nach dem Ende des II. Weltkrieges haben sich gerade mal zwei neue Gemüsesorten, Brokkoli und Chicoree, in die deutsche Küche verirrt. Und nur 90 kg Gemüse pro Person und Jahr werden hierzulande verzehrt. Für eine gesunde Ernährung wären dagegen 125 kg anzustreben. Andere Nationalitäten essen sehr viel mehr. Italiener beispielsweise verbrauchen 200 Kilogramm Gemüse pro Jahr und Person. Südkoreaner erreichen einen Spitzenwert von 236 Kilogramm! 

Den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs bestreitet heute niemand mehr, Die Forschung hat in mehr als 250 epidemiologischen Studien nachgewiesen, dass ein hoher Verbrauch von Obst und Gemüse vor bestimmten Krebsarten schützt. Das betrifft vor allem Lunge, Mund und Rachen, Darm und die Bauchspeicheldrüse. Die europäische EPIC-Studie belegt beispielsweise ganz konkret: Menschen mit einem hohen Obst- und Gemüseverzehr haben ein um 40 Prozent verringertes Risiko an Lungenkrebs zu erkranken. Für weitere Krebsarten wie Blasen-, Brust-, Gebärmutterhals-, Kehlkopf- und Schilddrüsenkrebs nehmen die Wissenschaftler an, dass Obst und Gemüse das Risiko wahrscheinlich oder möglicherweise senkt.Noch sind nicht alle Zusammenhänge, die vermutet werden, auch bewiesen. Ob Patienten, die bereits an Krebs erkrankt sind oder waren, ihr Rückfallrisiko senken können, ist dagegen umstritten oder nicht ausreichend belegt. Eine gesunde Ernährung kann jedoch immer zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes betragen.Für die krebsschützende Wirkung von Obst und Gemüse scheint eine Kombination verschiedener Stoffe verantwortlich zu sein. 

Vitamine
Vitamine zählen neben Kohlehydraten, Eiweißen, Fetten, Mineralstoffen und Spurenelementen zu den primären Pflanzenstoffen. Derzeit laufen dutzende Studien, mit denen man herausfinden will, ob Vitamine auch bei der Krebsvorbeugung helfen. So viel scheint sicher - eine ausreichende Vitaminversorgung senkt das Risiko. Bei der Entstehung von Krebs spielen offenbar so genannte freie Radikale eine Rolle. Sie entstehen bei Stoffwechselvorgängen in jedem Organismus. Bis zu einem gewissen Grad sind freie Radikale dem Menschen sogar nützlich: sie wehren Mikroorganismen ab und vernichten Fremdsubstanzen. 

Doch die meisten haben mehr davon, als gesund ist. Dieses Überangebot wird vor allem durch solche Faktoren wie Ernährung, Rauchen und Umweltgifte verursacht. Die überschüssigen freien Radikale zerstören wichtige Zellbausteine und die Erbsubstanz der Zelle. Auf diese Weise begünstigen sie die Bildung von Krebszellen. Vitamine, vor allem A, C und E, fangen diese Freien Radikale auf und entschärfen sie. Die Ergebnisse von entsprechenden Beobachtungsstudien lassen darauf schließen, dass Vitamine wahrscheinlich vor Krebserkrankungen der Atemwege, der Mundhöhle und Zunge, des Kehlkopfes, des oberen Verdauungstraktes einschließlich des Magens sowie vor Lungenkrebs schützen können.

Für andere Krebserkrankungen, beispielsweise Brust- oder Prostatakrebs, spielt die Vitaminversorgung mit großer Wahrscheinlichkeit dagegen gar keine Rolle. Um die Rolle von Spurenelementen, wie zum Beispiel Selen, bei der Prophylaxe von Prostatakrebs zu klären, laufen derzeit ebenfalls noch Wunden, Brüche, wissenschaftliche Untersuchungen.  Vitamin C und E in der Diskussion Vitamin C soll außerdem vor Herzinfarkt schützen. Hier gilt allerdings „viel hilft viel“ nicht. Hoch dosiertes Vitamin C in Pillenform kann die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum Teil sogar drastisch erhöhen. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie in den USA. Besonders gefährdet sind ältere Frauen mit Diabetes.  

Keine schädlichen Folgen für Herz und Kreislauf hatte allerdings das Vitamin C aus frischem Obst und Gemüse. Die gefäßschädigende Wirkung des Vitamins wird hier offenbar durch andere in den Pflanzen enthaltene Stoffe ausgeglichen. Vitamin C aus solchen natürlichen Quellen ist nach wie vor zur Vorbeugung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu empfehlen. Vitamin E, das zu den Antioxidantien, also zu den Radikalenfängern gehört, soll sich auch zur Krebsabwehr eignen. Diese krebspräventive Wirkung durch Vitamin E konnte in einer großen Studie nicht bestätigt werden. Allerdings gibt es auch anders lautende Studien.Folsäure in der Schwangerschaft Folsäuremangel ist in Deutschland weit verbreitet. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nimmt nur jeder vierte Deutsche genügend von dem B-Vitamin auf. Das B-Vitamin kommt in vielen grünen Gemüsesorten vor, aber auch in Kalbs- und Rinderleber. 

Eine Unterversorgung an Folsäure ist gerade bei jungen Frauen sehr häufig und kann bei einer Schwangerschaft gefährlich werden. Mit Beginn der Schwangerschaft sorgt Folsäure mit dafür, dass sich das so genannte Neuralrohr richtig ausprägt. Bei Folsäuremangel können Fehlbildungen wie offenes Rückenmark oder Hirn- und Schädelmissbildungen entstehen. Schätzungsweise 5 von 10.000 Babys sind davon betroffen! Operierter offener Rücken, durch Folsäuremangel entstanden.   Studien belegen, dass das Risiko solch dramatischer Verläufe mit dem richtigen Folsäurehaushalt vermindert werden kann. Dieser muss aber schon vor der Schwangerschaft im Lot sein. Es wird deshalb empfohlen, mit der Einnahme eines Folsäurepräparates mit 400 µg pro Tag schon 4 Wochen vor Beginn der Schwangerschaft zu beginnen. Diese Einnahme sollte während des 1. Drittels der Schwangerschaft fortgesetzt werden. Lassen Sie sich über die Mengen beraten. Eine lohnenswerte Vorsorge in jedem Fall, die rund 15 Cent am Tag Kostet. Noch ratsamer ist es für junge Frauen, regelmäßig und reichlich Obst und Gemüse zu essen, denn nicht jede Schwangerschaft ist auf den Tag genau planbar. 

Sekundäre Pflanzenstoffe
Sekundäre Pflanzenstoffe sind Substanzen, die den Pflanzen als Farb- und Abwehrstoffe oder als Wachstumsregulatoren dienen. Im menschlichen Körper stärken sie das Immunsystem und können u.a. den Cholesterinspiegel senken, Einige haben eine krebsschützende Wirkung. Die Zahl er sekundären Pflanzenstoffe ist sehr groß, alleine aus der Gruppe der besonders viel versprechenden Flavonoide sind vier- bis fünftausend Vertreter bekannt. Die wichtigsten Vertreter sekundärer Pflanzenstoffe sind:

  • Carotinoide: in gelb-orangem und grünem Gemüse,
  • Glucosinolate (Senföle), die in allen Kohlarten reichlich vorhanden sind.

Dazu Phytosterine (Pflanzenhormone): z.B. in Sonnenblumenkernen, Brokkoli, Gurken, und Polyphenole und Flavonoide z.B. in Rotwein, Früchten, Salat, Saponine: in allen Pflanzen, v. a. in Sojabohnen und anderen Hülsenfrüchten, Sulfide: Zwiebelgewächse, Knoblauch, Proteaseinhibitoren z.B. Erbsen, Mais, Kartoffeln, Sojabohnen. 

In Lebensmitteln liegen stets sehr vielfältige Mischungen dieser Stoffe vor. Durch ihre antioxidative Wirkung können sie krebsauslösenden Stoffen im Körper entgegenwirken und scheinen auch anderweitig durch bislang ungeklärte Mechanismen das Wachstum von Tumorzellen zu hemmen. Sekundäre Pflanzenstoffe wirken aber nicht nur gegen Krebs. Sie schützen den Körper ebenso vor Infektionen mit Bakterien und Viren und hemmen die Entstehung von schädlichen Stoffwechselprodukten. Sie regen das Immunsystem an, verhindern Blutgerinnsel und sind verdauungsfördernd. 

Natürlich schützt am besten
Generell empfehlen der Ernährungsexperten, die Versorgung mit Pflanzenstoffen möglichst ausschließlich über die natürliche Ernährung und nicht über Tabletten oder andere Nahrungsergänzungsmittel etc. sicherzustellen. Vor allem die sekundären Pflanzenstoffe sind ein Grund dafür, dass man seinen Bedarf lieber durch frisches Obst und Gemüse als durch Präparate decken sollte.Ein Beispiel sind Tomaten. Es ist wissenschaftlich unbestritten, dass Tomaten in ihren unterschiedlichen Zubereitungsformen vor Krebserkrankungen von Speiseröhre, Darm und Prostata schützen. Verantwortlich dafür sind die Lycopene, die der Tomate die rote Farbe verleihen Als Nahrungsergänzungspräparat verabreicht, war der vorbeugende Effekt aber nicht mehr nachweisbar.Fünf mal am Tag Obst und Gemüse empfiehlt deshalb die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, um den Krebs vorzubeugen. 

Rote Äpfel sind gesundEin Apfel pro Tag hält den Arzt fern, sagt schon ein altes englisches Sprichwort. Denn Äpfel sind gesund. Aber Apfel ist nicht gleich Apfel, wie kanadische Forscher festgestellt haben. In jedem Apfel stecken je nach Sorte und Reifegrad vor allem C-Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Allerdings variiert die Menge der gesundheitsfördernden Stoffe bei einzelnen Sorten um 60 Prozent. Die farbintensiven Sorten mit roter Deckfarbe oder Streifung sind in der Regel gesünder, als die einfarbig gelben oder grünen. Eine Rotfärbung deutet auf einen hohen Gehalt an Antioxidantien hin. Im Fruchtfleisch, aber noch mehr in der Schale. Und weiter gilt: je reifer, umso besser. Kurz vor der Fallobstzeit ist der optimale Reifegrad auch der Inhaltsstoffe erreicht. 

Ballaststoffe gegen Darmkrebs
Obst und Gemüse gegen Dickdarmkrebs? Für Knoblauch und Zwiebeln könnte das zutreffen. Ebenso für Extrakte aus der Chicoreewurzel, für frische Spargelstangen oder für die beliebten Bananen. Sie alle enthalten in großen Mengen den Ballaststoff Inulin, der im Verdauungsprozess in den Darm gelangt. 

Wie er dort wirkt, das erforschen Ernährungswissenschaftler der Universität Jena. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Inulin krankhafte Zellveränderungen verhindern könnte. So untersuchen die Wissenschaftler auch, wie Inulin und seine Stoffwechselprodukte in der Lage sind, Dickdarm-Tumorzellen am Wachstum zu hindern.   Auch Samen aus Beerenfrüchten, die bei der Saftherstellung als Abfallprodukt anfallen, sind ins Visier der Wissenschaftler geraten. Sie bieten womöglich einen Schutz vor freien Radikalen und damit u.a. vor Krebs, aber auch vor anderen Volkskrankheiten. Ihre Wirkung entfalten sie nur in Pulverform, da unser Magen-Darmtrakt die Kerne nicht aufspalten kann. Vor allem so genannte „Entgifter“, die Tocopherole. Unterschiedliche Samenpulver werden zurzeit untersucht und alle scheinen eine Vielzahl von Radikalenfängern zu haben.

Eine greifbare Vision der Wissenschaftler; Lebensmittel, in die sich das Pulver einarbeiten lässt, z. B. In Joghurt. 2006 könnte die Markteinführung sein.

Fundstelle: MDR   Hauptsache Gesund     Donnerstag 14.7.2005  

Adressen zu Grüne Medizin: 

Prof. Klaus Eder Martin-Luther-Universität Halle, Landwirtschaftliche FakultätInstitut für ErnährungswissenschaftenEmil-Abderhalden-Str. 26   06108 Halle/SaaleTel.: 0345/ 5522701, Fax: 45/ 5527124 

Prof. Fritz-Gerald Schröder Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)Fachbereich Landbau/LandespflegePillnitzer Platz 2,   01326 DresdenTel.: 0351/ 462-2761, Fax: 0351/

4622167 Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt Medizinischen Fakultät der Otto- von- Guericke- Universität Magdeburg Leipziger Str. 44,   39120 Magdeburg Tel.: 0391/ 6714174, Fax: 0391/ 6714176 

Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Jena Dornburger Straße 25,   07743 JenaTel.: 03641/ 949671, Fax: 03641/ 949672  

Heilgarten – Behandlungszentrum für Folteropfer e.V. (bzfo) Turmstraße 21,   10559 BerlinTel.: 030/ 3039060, Fax 030/ 30614371 

Deutsches Krebsforschungszentrum Im Neuenheimer Feld 280,   69120 Heidelberg Tel. 06221 / 420, Fax: 06221 / 422995 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Godesberger Allee 18,   53175 BonnTel.: 0228 /3776600


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