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Hormontherapie - Fatale Nebenwirkung

Dieser Eintrag stammt von Jörg Am 18.12.2008 @ 17:13 In Gesundheit allgemein | 1 Kommentar

Die Arzneimittelkommission und Gesundheitsministerin Schmidt warnen vor den Risiken der Hormontherapie! 

Privat hat Bruno Müller-Oerlinghausen sein Urteil gefällt. Seine Frau, so der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, würde niemals Hormone gegen Wechseljahrebeschwerden nehmen. Im Freundeskreis seien mehrere Bekannte an Brustkrebs gestorben - „und alle hatten zuvor über Jahre Hormone genommen. Das ist schon auffällig.“ 

Aus dem Bauch heraus allerdings sollen Deutschlands Ärzte künftig gerade nicht mehr entscheiden, wann sie welcher Frau eine Hormontherapie verschreiben. Die Arzneimittelkommission - welche die Nebenwirkungen von Medikamenten überwacht - warnte jetzt davor, die Hormonpillen langfristig zur Vorbeugung von Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall einzunehmen. „Auf Grund der Hormonpillen erkranken jedes Jahr zusätzlich 10 000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs“, so die Berliner Frauenärztin Martina Dören. Die Leiterin des Forschungszentrums für Frauengesundheit ist Mitautorin der ersten Therapieleitlinie zur Hormonersatztherapie, die die Kommission vergangenen Dienstag herausgegeben hat (akdae.de). 

Schluss mit der Verharmlosung in deutschen Praxen. Bei der jahrelangen Werbung für die Hormontherapie spielten , so die Arzneimittelkommission, „möglicherweise auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle“. Die Hälfte aller Frauen werde von den Ärzten über die Gefahren nicht einmal informiert, empörte sich vergangene Woche Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD): Viele Frauen wissen nicht, dass die mit der Therapie verbundenen Risiken oft den Nutzen übersteigen. Erschreckende Ergebnisse lieferten gleich mehrere Studien. Danach ist erwiesen, dass Frauen, die über Jahre Hormonpräparate schlucken, deutlich häufiger eine Thrombose bekommen, an Brustkrebs erkranken oder einen Herzinfarkt erleiden.

  • Im Zusammenhang mit der Hormoneinnahme stehen etwa 10.000 Brustkrebsfälle (von 46.000 pro Jahr). 2.100 Fälle von Gebärmutterhautkrebs und 600 Fälle von Eierstockkrebs.

  • Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt: Pro 10.000 Frauen ergeben sich sieben zusätzliche Herzinfarkte, acht Schlaganfälle, 18 Thrombosen.

  • Bekannte Hormonpräparate in Deutschland sind. Kliogest N, Activelle, Meri-gest, Trisequens, Mericomb, Klimonorm, Cyclo-Progynova.

  • Zur Vorbeugung von Osteoporose raten Ärzte zu viel Vitamin D und Kalzium (Milchprodukte), regelmäßigem Sport sowie einer Gewichtsreduktion.

  • Linderung bei diesen Störungen kann oft schon der Verzicht auf Alkohol, Kaffee, schwarzen Tee und Curry bringen.

ULLA SCHMIDT sprach ein Machtwort: Die Risiken der Hormontherapie sollen nicht mehr verharmlost werden. Die Dauer der Einnahme beeinflusst das Risiko. Gynäkologin Dören rät Frauen daher: „Generell gilt: Die Therapie sollte so kurz und so niedrig dosiert wie möglich ausfallen.“ “Nach zehn Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, dreimal so hoch wie nach einer fünfjährigen Therapie. „Wahrscheinlich sind mehr Frauen an den Folgen der Hormontherapie gestorben”, zieht Müller-Oerlinghausen einen schaurigen Vergleich, “als es nach dem Contergan Skandal geschädigte Kinder gab.“  

Verfasserinnen: Verena Köttger / Ulrike Bartholomäus 

Fundstelle:   Focus  40/2003


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